„Adams Acht“ erzählt vom Olympiasieg des Deutschland-Achters 1960. Dessen Steuermann Willi Padge übernahm später als S3-Stabsoffizier und stellvertretender Kommandeur Verantwortung bei den Holzmindener Pionieren.
von Manfred Bues
Holzminden. Mit 16 Jahren gewann Willi Padge in Rom olympisches Gold. Seine spätere Bundeswehrlaufbahn führte ihn nach Holzminden, wo er im damaligen Panzerpionierbataillon 1 diente und eine neue Heimat fand. Der Kinofilm „Adams Acht“ bietet Anlass, an seinen sportlichen Erfolg und seinen Lebensweg als Soldat zu erinnern.
1983 kam Padge als S3-Stabsoffizier zum damaligen Pionierbataillon 1 nach Holzminden. Er plante und koordinierte die Ausbildung und Übungsvorhaben des seinerzeit über 1.000 Mann starken Verbandes. Von 1983 bis 1987 war er zugleich stellvertretender Kommandeur und trug in dieser Funktion Verantwortung für das gesamte Bataillon.
Seine letzte Dienstzeit als Soldat führte ihn zur EXPO 2000 nach Hannover. Dort war er für die Verkehrsführung zuständig. Im selben Jahr wurde Padge im Dienstgrad eines Oberstleutnants in den Ruhestand versetzt.
Der Junge im Heck des Goldachters
Vier Jahrzehnte zuvor hatte er deutsche Sportgeschichte mitgeschrieben: Am 3. September 1960 gewann Padge als Steuermann des Deutschland-Achters auf dem Albaner See bei Rom die Goldmedaille. Vom Heck aus hielt er das Boot auf Kurs und gab der Mannschaft die Kommandos.
Entdeckt hatte ihn Karl Adam, sein Mathematik- und Physiklehrer am Ratzeburger Gymnasium. Der Jugendliche aus Mölln war selbst kein Ruderer. Doch seine schmale Statur, sein geringes Gewicht und seine kräftige Stimme brachten die Voraussetzungen für die Aufgabe des Steuermanns mit.
Adam entwickelte mit neuen Trainingsmethoden und technischen Veränderungen an Boot und Rudern eine Mannschaft, die sich international behauptete. Auf deutsche Meistertitel und den Europameistertitel 1959 folgte der Olympiasieg.
Padge stellte diesen Erfolg im Alltag selten heraus. Seine Frau Sigrid beschreibt ihn als bescheidenen Menschen, der gern von Rom erzählte, wenn er danach gefragt wurde. Seine Begeisterung blieb dabei sichtbar: „Seine Augen haben geleuchtet, wenn er davon erzählte.“
Eine neue Heimat im Weserbergland
Sigrid und Willi Padge lernten sich 1968 kennen, als er als Offizier in Bad Segeberg, beim leichten Pionierbataillon 537 diente. Seine Bundeswehrlaufbahn führte die Familie mit den drei Söhnen Björn, Sven und Jan an verschiedene Standorte, darunter München, Potsdam, Hammelburg und Speyer.
Mit der Versetzung nach Holzminden wuchs die Verbindung zum Weserbergland. Die Familie fühlte sich hier zu Hause und wollte bleiben. Weil sie in der Stadt kein geeignetes Haus fand, ließ sie sich im benachbarten westfälischen Stahle nieder.
Auch nach dem Ende seiner aktiven Dienstzeit hielt Padge engen Kontakt zu seinen Kameraden.
Zu seinem Alltag gehörte außerdem die Beschäftigung mit seiner Schäferhündin Eika. Beim PSV Holzminden betrieb er Laufsport und nahm bis ins höhere Alter an Wettkämpfen teil. Dem Ruder-Club Holzminden blieb er ebenfalls verbunden. Viele Jahre engagierte er sich zudem beim Kinderschutzbund.

Erinnerungen auf der Leinwand
„Adams Acht“ erzählt vom Trainer Karl Adam und dem Weg seiner Mannschaft zum Olympiasieg. Oliver Masucci übernimmt die Rolle des Trainers, sein Sohn Vito Wiesner verkörpert den jungen Willi Padge. Unter der Regie von Hannu Salonen spielen außerdem unter anderem Felix Kammerer, Svenja Jung, Leonard Kunz, Heino Ferch und Axel Milberg.
Am Sonntag, 13. September 2026, besuchte Sigrid Padge die Vorpremiere in Holzminden. Unter den Gästen waren viele Menschen, die ihrem Mann persönlich verbunden waren. Für sie bringt der Film einen bedeutenden Teil seiner Lebensgeschichte zurück.
Willi Padge selbst konnte die Verfilmung nicht mehr erleben. Er starb am 17. September 2023 im Alter von 79 Jahren. „Ich freue mich für Willi. Schade, dass er das nicht mehr erleben kann“, sagt seine Frau.
Die Goldmedaille bewahrt inzwischen Sohn Björn auf. Gemeinsam mit der Siegerurkunde und dem Silbernen Lorbeerblatt erinnert sie an den Triumph von Rom. Bei den Holzmindener Pionieren bleibt darüber hinaus der Offizier in Erinnerung, der Verantwortung für seinen Verband übernahm und auch im Ruhestand die Gemeinschaft seiner Kameraden suchte.
Manfred Bues ist freier Journalist
Bild: Manfred Bues
