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PiKam Holzminden – 75 Jahre

75 Jahre Pionierkameradschaft Holzminden

Von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart
Holzminden.
Als sich im Februar 1951 ehemalige Soldaten in Holzminden trafen, lag der Zweite Weltkrieg erst wenige Jahre zurück. Die Spuren der Zerstörung waren überall sichtbar: Städte und Dörfer lagen in Trümmern, Industrieanlagen, Bahnhöfe und Brücken mussten neu aufgebaut werden. Millionen Flüchtlinge und Vertriebene suchten eine neue Heimat, während viele Familien noch immer auf Nachrichten von vermissten Angehörigen warteten. Tausende deutsche Soldaten befanden sich noch in russischer Kriegsgefangenschaft.
Für viele Heimkehrer war der Weg zurück in das zivile Leben schwierig. Nach Jahren an der Front oder in Gefangenschaft mussten sie ihren Platz in einer völlig veränderten Gesellschaft finden. Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Folgen des Krieges und wirtschaftliche Not prägten den Alltag. Besonders schwer traf es die Witwen und Waisen gefallener Soldaten sowie Familien, deren Angehörige als vermisst galten.
In dieser Zeit entstand bei vielen ehemaligen Soldaten der Wunsch nach Gemeinschaft – nach einer Vereinigung, die an die im Dienst entstandene Kameradschaft anknüpfen und zugleich gegenseitige Hilfe ermöglichen sollte.

Die Gründung im Jahr 1951
Am 17. und 18. Februar 1951 wurde dieser Wunsch Wirklichkeit. Im Strandhotel Holzminden trafen sich mehr als 300 ehemalige Angehörige des Pionierbataillons 19, die aus allen Teilen Deutschlands in ihre frühere Garnisonstadt an der Weser zurückgekehrt waren.
Unter ihnen befand sich Oberstleutnant a. D. Albert Krumsiek, der die Versammlung leitete und zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Aus diesem Treffen ging die „Vereinigung ehemaliger Holzmindener Pioniere“ hervor.
Zeitzeugen erinnerten sich später an ein emotionales Wiedersehen. Viele hatten sich seit Kriegsende nicht mehr gesehen. Man erkannte sich trotz der vergangenen Jahre sofort wieder, reichte sich die Hände und tauschte Erinnerungen an Dienstzeit, Übungen und Kameraden aus, die nicht zurückgekehrt waren.
Die neue Gemeinschaft verstand sich bewusst als unpolitischer Zusammenschluss, getragen von Kameradschaft, gegenseitiger Hilfe und Verantwortung füreinander. Der Tägliche Anzeiger Holzminden würdigte dieses erste große Treffen in seiner Ausgabe vom 19. Februar 1951 als eindrucksvolles Zeichen des Zusammenhalts in einer schwierigen Zeit.

Holzminden als Mittelpunkt der Pioniergemeinschaft
In den folgenden Jahren entwickelte sich Holzminden zu einem wichtigen Treffpunkt der deutschen Pioniergemeinschaft. Bereits 1952 wurde hier der Waffenring Deutscher Pioniere neu gegründet, aus dem später der Bund Deutscher Pioniere hervorging.
Vom 2. bis 4. August 1952 fand in Holzminden das erste Bundestreffen Deutscher Pioniere statt. In der Stadthalle, auf dem Markt- und Haarmannplatz, in der Kaserne sowie auf den Übungsplätzen trafen sich ehemalige Pioniere aus der gesamten Bundesrepublik.
Ein weiterer Höhepunkt folgte 1972 mit dem 8. Bundestreffen, zu dem zeitweise mehr als 8.000 Besucher nach Holzminden kamen. Feierliche Gelöbnisse, ein Großer Zapfenstreich, Vorführungen auf den Wasser- und Landübungsplätzen sowie Empfänge durch Stadt und Bundeswehr machten das Treffen zu einem bedeutenden Ereignis für die Garnisonstadt.

Oberstlt a. D. Krumsiek führte den Festumzug 1952 beim ersten Bundestreffen
der „Deutschen Pioniere“in Holzminden an.

Jubiläen und Traditionspflege
Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb die Kameradschaft ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Holzminden. Das 25-jährige Bestehen wurde 1986 gefeiert. Ein besonderer Höhepunkt war das 50-jährige Jubiläum im Juni 2001.
Neben einer Weserfahrt und einer feierlichen Totenehrung erinnerte damals eine Sonderausstellung unter dem Titel „Garnisonstadt Holzminden“ an die lange militärische Geschichte des Standortes.
Nach dem Verkauf des Offiziersheims in der Böntalstraße erhielt die Kameradschaft Anfang der 2000er-Jahre neue Räumlichkeiten im Trio-Gebäude der Kaserne. Dort entstand ein Traditionsraum, der nach dem im Dienst tödlich verunglückten Unteroffizier Maik Schneider benannt wurde.

Verbindung zu Bundeswehr und Stadt
Die enge Verbundenheit zum Panzerpionierbataillon 1 und zur Stadt Holzminden zeigt sich bis heute. Die Kameradschaft unterstützt regelmäßig Veranstaltungen am Standort und ist bei militärischen Appellen vertreten, wenn eine Abordnung mit der Vereinsfahne aufmarschiert.
Auch bei besonderen Jubiläen ist die Kameradschaft aktiv. So beteiligten sich ihre Mitglieder im November 2025 an den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Bundes Deutscher Pioniere, die in Holzminden ausgerichtet wurden.
Damit schlägt die Pionierkameradschaft eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart – zwischen den ehemaligen Pionieren und den heute aktiven Soldatinnen und Soldaten am Standort.

Feier zum 75-jährigen Jubiläum
Ein besonderer Höhepunkt im Jubiläumsjahr war die Feier zum 75-jährigen Bestehen der Pionierkameradschaft Holzminden, die am 21. Februar 2026 stattfand. In den Räumlichkeiten des Marinevereins Holzminden kamen Mitglieder der Kameradschaft sowie zahlreiche geladene Gäste zusammen, um auf die Geschichte und Entwicklung der Gemeinschaft zurückzublicken.
Zu den Gästen gehörte auch der Bürgermeister der Stadt Holzminden, der in seinem Grußwort die enge Verbindung zwischen Garnisonstadt, Bundeswehrstandort und der Pionierkameradschaft hervorhob. In seiner Ansprache erinnerte er an die lange Tradition der Pioniere in Holzminden und würdigte das Engagement der
Ein weiteres Grußwort überbrachte Oberstleutnant a. D. Gerald Brübach, der die Grüße des Präsidenten des Bundes Deutscher Pioniere e. V., Brigadegeneral a. D. Franz Pfrengle, übermittelte. In der Botschaft wurde insbesondere die Bedeutung der Kameradschaften für die Traditionspflege und die Verbindung zwischen den Generationen von Pionieren hervorgehoben. Weitere Jubiläumswünsche kamen vom Marineverein und Reservistenkameradschaft Holzminden.
Die Jubiläumsfeier bot Gelegenheit für zahlreiche Gespräche, Erinnerungen und Begegnungen – ganz im Sinne jener Kameradschaft, die bereits bei der Gründung im Jahr 1951 im Mittelpunkt stand.

Aktives Vereinsleben
Heute zählt die Pionierkameradschaft Holzminden 79 Mitglieder. Die Kameraden treffen sich regelmäßig jeden ersten Donnerstag im Monat im Vereinslokal Felsenkeller zur Monatsversammlung sowie montags zur sogenannten Montagsrunde in der GHG der Pionierkaserne am Solling.
Enge Kontakte bestehen außerdem zum Marineverein Holzminden, zur Reservistenkameradschaft Holzminden sowie zu den Kameradschaften der Ehemaligen im Deutschen Bundeswehrverband in Holzminden/Stadtoldendorf und Höxter.
Auch im digitalen Raum ist die Kameradschaft präsent: Über ihre Internetseite konnten bislang rund 850.000 Besucher erreicht werden.
Aus der Gründung ehemaliger Pioniere im Jahr 1951 entwickelte sich eine lebendige Kameradschaft, die bis heute für Tradition, Zusammenhalt und Verbundenheit mit der Garnisonstadt Holzminden steht.
Damit diese Tradition auch in Zukunft fortgeführt werden kann, freut sich die Pionierkameradschaft über neue Mitglieder – insbesondere über jüngere Kameraden, die die Geschichte der Pioniere weitertragen möchten.

Vorstand der Pionierkameradschaft Holzminden-v.l. Hermann Ahrens, Gerd Beckmann,
Gerhard Kreutzkamp u. Ditmar Fischer.

Text: Manfred Bues
Bilder: Mit freundlicher Genehmigung PiKam Holzminden