Ein Dorf an der Ahr dankt den Panzerpionieren aus Holzminden

In der Nacht vom 14. auf 15. Juli überspülte die Ahr mit einer zwei Meter hohen Flutwelle auch den Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf, der in direkte Lage zur Ahr in deren Auen liegt. Die Flut hinterließ neben Unmengen an Schlamm enorme Mengen an Unrat und Totholz, welche nahezu die gesamte Anlage verwüsteten und zerstörten.




Nachdem in den kommenden Wochen die größten Schäden an der oberen Ahr beseitigt und eine Reihe von Ahrquerungen, die das Leben der Bevölkerung spürbar erleichterten, errichtet worden waren, begannen 51 Soldatinnen und Soldaten des Panzerpionierbataillon 1 aus Holzminden den Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf von Schlamm, angeschwemmten Baumresten und Unrat zu befreien.

Totholz im Ehrenfriedhof

Die Grabstätten wurden gereinigt; die umgestürzten Granitgrabkreuze wieder aufgestellt. Ebenso wurden die zerstörten Wege neu angelegt und mit Split aufgefüllt. Anschließend war dem Ehrenfriedhof seine Würde wiedergegeben und er konnte, Dank des tatkräftigen Einsatzes der Soldaten, wieder rasch für Besucher und Angehörige geöffnet werden.

Reinigen des Ehrenfriedhof

In Anbetracht des Umfangs der Zerstörung und Verschmutzung waren die drei Tagen, die die Panzerpioniere hierfür benötigten, eine enorme Leistung. Die Soldatinnen und Soldaten beseitigten hierbei Tonnen von Schlamm, Unrat und Totholz von den Gräberfeldern und der Außenmauer und transportierten diese mit ihren Bundeswehrlastfahrzeugen ab.
Hierbei konnte ein Großteil der Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten lediglich in Handarbeit mit Schubkarren und Schaufeln ausgeführt werden.

Ehrenfriedhof wieder hergestellt


Am 23. August 2021 konnte der evangelische Militärpfarrer aus Höxter-Holzminden den Ehrenfriedhof dank des tatkräftigen Einsatzes der Soldatinnen und Soldaten wieder einsegnen und ihm damit seine Würde als Mahnmal gegen das Vergessen wiedergeben. Zur Einsegnung waren alle helfenden Soldaten des Panzerpionierbataillon 1 mit dessen Kommandeur, Oberstleutnant Gunter Flach angetreten

Antreten zur Einsegnung des Ehrenfriedhof Bad Bodendorf durch den Militärpfarrer von Höxter-Holzminden

Der Heimat- und Bürgerverein sowie Dorfgemeinschaft Bad Bodendorf, welche zum Teil selbst schwer von der Flut getroffen wurden, bedanken sich auf diesem Weg bei den Soldatinnen und Soldaten des Panzerpionierbataillon 1 aus Holzminden, ohne deren Hilfe es lange gedauert hätte, bis diese Arbeiten mit eigenen Kräften hätten durchführt werden können.


Zur Geschichte des Ehrenfriedhofs Bad Bodendorf:

Nach der Eroberung der Brücke von Remagen am 7. März 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager „Goldene Meile“ zwischen Remagen und Bad Breisig angelegt. Beim weiteren Vormarsch der Alliierten auf Berlin gerieten massenweise deutsche Soldaten in Gefangenschaft. Die in einem Radius von 300 km gefangen genommenen Soldaten mussten bis ins Lager „Goldene Meile“ bei Remagen marschieren.

Dort starben täglich zwischen 40 – 50 Kriegsgefangene an Krankheiten und Entkräftung. Diese vielen Toten konnten aufgrund ihrer hohen Anzahl nicht mehr auf den umliegenden Friedhöfen beigesetzt werden, deshalb beschloss die amerikanische Militärführung am 28. April 1945 die Einrichtung einer Begräbnisstätte in Bad Bodendorf. Auf dieser Begräbnisstätte sind nicht nur Soldaten des Lagers „Goldene Meile“, sondern auch Verstorbene aus drei weiteren Lagern bei Koblenz beigesetzt. Nach Übergabe des Kriegsgefangenenlagers am 11. Juli an die französische Armee wurden das Lager und die Begräbnisstätte kurz darauf geschlossen.

In den Folgemonaten richtete die Bevölkerung von Bad Bodendorf einen Soldatenfriedhof ein und betteten die Toten in ordentliche, mit Holzkreuzen und Namenstafeln gekennzeichnete Gräber um.

An Allerheiligen 1945 erfolgte die Einsegnung des Soldatenfriedhofs.

In den Jahren 1954 – 1956 baute der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den heutigen Ehrenfriedhof mit 1244 Grabstellen auf und im November 1957 erfolgte die Einsegnung.

Seitdem wird der Ehrenfriedhof von der Bevölkerung Bad Bodendorfs und den Verwandten der hier bestatteten Soldaten gepflegt.


Text:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kdo Informationstechnik Bw: HptFw Pia Martino
Bildnachweis:
Pia Martino, Bernhard Knorr, Josef Erhardt