Neues aus Emmerich am Rhein

Pioniere und Freunde besuchten das Zollamt Emmerich

Mitglieder und Freunde des Traditionsverbandes der ehemaligen Emmericher Pioniere e.V. und Freunde besuchten am 20. Oktober 2016 im Rahmen Ihrer jährlichen Informationsveranstaltung die Dienststelle des Zollamtes in Emmerich am Rhein unter dem Motto: “Emmerich am Rhein und der Zoll gehören von jeher zusammen – wie Yin und Yang”.

Bedingt durch das “Schengener Abkommen” von 1985 und die damit verbundene Grenzöffnung wurden zahlreiche Zolldienststellen in Emmerich am Rhein aufgelöst und die Zahl der Zöllner entlang des Stromes und seiner Grenze zu den Niederlanden drastisch heruntergefahren. Die Kontrollen auf dem Rhein durch die “Zöllner mit  ihren grün-weißen Zollbooten“ werden nicht mehr durchgeführt.

Die gespannte Besuchergruppe der Pioniere wurde im Emmericher Zollamt von Jürgen Hoymann herzlich willkommen geheißen. Nach einer kurzen Einweisung übernahm der Zollfahnder Willi Meyer die Gäste und berichtete zu Erlebnissen der Zöllner entlang der Bundesautobahn A 3 vor allem im Bereich der Rauschgiftkriminalität. Ein Knochenjob, der nicht ganz ungefährlich ist und viel Erfahrung erfordert. Zollfahnder Meyer ließ es sich nicht nehmen, den Pionieren umfangreiche Asservate und das ein oder andere „Tütchen“ für eine kurze Schnupperprobe zu präsentieren.
Danach führte Jürgen Hoymann lebendig durch die Geschichte des Zolls und die von ihm initiierte Dauerausstellung im Gebäude an der Albert-Einstein-Straße. Dort sind neben Zolluniformen aus früherer Zeit bis heute verschiedene Hilfsmittel, Ausrüstungsgegenstände, Funkgeräte, Telefone und Fahrzeuge für den täglichen Dienstbetrieb eines Zöllners zu bestaunen. Herr Hoymann, “durch und durch Zöllner von der Pieke auf”, eingesetzt im Ermittlungsdienst konnte mit seinem großen Erfahrungsschatz aus allen Bereichen des Zolldienstes seine interessanten Ausführungen immer wieder durch “Anekdoten und Döntjes” aus dem täglichen Dienst des Zöllners bereichern.

Die Pioniere staunten: Mit hohem persönlichen Einsatz und großer Motivation hat Jürgen Hoymann in den Räumlichkeiten des Zollamtes ein schönes Zollmuseum und eine plakative Bildausstellung auf die Beine gestellt. Seine detaillierten Ausführungen kann er so durch beeindruckende Exponate und Bilder belegen.

Die zweistündige, sehr kurzweilige Information und Einweisung endete mit einem Abschlussgespräch und der Übergabe eines persönlichen “Dankeschöns” verbunden mit einer Urkunde durch den 1. Vorsitzenden, Oberstleutnant a.D. Joachim Sigmund, an Herrn Jürgen Hoymann.

Die Pioniere und ihre Freunde rückten anschließend zur “Manöverkritik” und einem gemeinsamen Essen in geselliger Runde beim Italiener ein. Der Vorsitzende dankte dem Projektverantwortlichen, Oberstabsfeldwebel a.D. Rolf Wickermann für die perfekte Organisation dieser gelungenen Informationsveranstaltung.


Ehemalige Moritz-von-Nassau Kaserne in Emmerich am Rhein

Acht Jahre nach der Aufgabe des Pionierstandortes wird auf dem Areal der ehemaligen Kaserne schon bald neu gebaut. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Als Leuchtturmprojekt entsteht ein neuer Gesundheitswohnpark.

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Gesundheitswohnpark: MONA GmbH

Der Gesundheitswohnpark soll ein Pflegeheim, zwei Häuser für Betreutes Wohnen, eine psychosomatische Klinik, ein medizinisches Zentrum, eine Kindertagesstätte sowie Wohnanlagen für Service-Wohnen und Junges Wohnen umfassen. Die Pflegeeinrichtung weist 80 Einzelzimmer sowie 60 Plätze für Demenz- und Tagespflege auf. Im Bereich Betreutes Wohnen werden 48 Wohnungen angeboten. Bis 2019 soll der gesamte Gesundheitswohnpark mit rund 150 Arbeitsplätzen in Betrieb sein. Betreiber ist Evergreen, die zur Korian-Gruppe gehört. Sie ist eine der größten und renommiertesten Pflegeeinrichtungsbetreiber Europas.

Bis 2017 soll auch das geplante Gewerbegebiet im Osten des ehemaligen Kasernengeländes erschlossen sein. Bleibt das westliche Areal der ehemaligen Kaserne. Dort sind Wohnanlagen zu Allgemeinem Wohnen und Wohnen mit Pferd sowie ein Reitsportzentrum geplant.

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Foto: Konrad Flintrop

Am 12. August 2016 fand der erste Spatenstich für den Bau des neuen Gesundheitswohnparks am Nollenburger Weg statt. Als ehemaliger Standortältester von 2000 und 2003 wurde OTL a.D. Joachim Sigmund (auf dem Foto rechts) gebeten, an diesem für Emmerich wichtigen Tag zur Geschichte der Kaserne zu sprechen. Die Ansprache von OTL a.D. Sigmund (auf dem Foto rechts) ist als zeitgeschichtliches Dokument zur Veröffentlichung freigegeben.


Ansprache des ehemaligen Standortältesten (2000 -2003), OTL a.D. Joachim Sigmund zum „ersten Spatenstich“ für einen Gesundheitswohnpark in der ehemaligen Moritz-von-Nassau-Kaserne in Emmerich am Rhein
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hinze! Sehr geehrter Herr Menne!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Verehrte Gäste!
Als ehemaliger Standortältester und heute als Vorsitzender des Traditionsverbandes der ehemaligen Emmericher Pioniere als ordentliche Pionierkameradschaft im Bund Deutscher Pioniere danke ich sehr, dass ich heute – am 12. August 2016 – einige Worte zu Ihnen sprechen darf.

Als ich am 18. Juni 2003 das Kommando über das Pionierbataillon 140 abgab, hätte ich nicht gedacht, dass ich zu einem 1. Spatenstich für einen neuen Gesundheitspark in meiner alten Kaserne zu Ihnen sprechen würde. Es stimmt mich heute also durchaus wehmütig, wenn ich der Bitte der Geschäftsführung der MONA GmbH folge, zu diesem Anlass einen kurzen Überblick zur Geschichte der Moritz-von-Nassau-Kaserne zu geben.

Den Bauantrag der Kaserne stellte die zuständige Wehrbereichsverwaltung III bereits im Sommer 1959. Das Bundesministerium der Verteidigung genehmigte im Jahr 1961 den in guter Kooperation mit der Stadt Emmerich, dem damaligen Kreis Rees, dem Autobahn-Neubauamt, Landesstraßenbauamt, der Oberfinanzdirektion, der Wehrbereichsverwaltung und dem Wehrbereichskommando III, dem Regierungspräsidenten und dem nordrhein-westfälischem Finanzministerium entstandenen Lageplan der Kaserne. Es waren also von Anfang an viele Akteure bei diesem wichtigen Infrastrukturprojekt mit an Bord.

Mit dieser Planung im Handgepäck stattete der damalige Vermessungsrat der Stadt Emmerich, Herr Ufert, dem in Emmerich zu stationierenden Pionierbataillon im März 1962 einen Besuch im damaligen Provisorium der Pionierkaserne in Köln-Longerich ab. Diese erste Kontaktaufnahme der Stadt Emmerich mit dem Pionierverband (sPiBtl 716) setzte die Pioniere in Köln über die genaue Lage der neuen Kaserne, des zukünftigen Wasser- und Landübungsplatzes in Dornick und Vehlingen, einschließlich der Schießstände und der neuen Munitionsniederlage in Klein-Netterden, in Kenntnis.

Die Stadt Emmerich rechnete damals mit dem Beginn der Tiefbauarbeiten an der Kanalisation und den Straßen auf dem Kasernengelände im Sommer 1962. Die Arbeiten an Hochbauten der Kaserne und der Bau von Wohnungen für länger dienende Soldaten im Stadtgebiet sollten im Frühjahr 1963 in Angriff genommen werden. Die Planung ging zu diesem Zeitpunkt von einem Abschluss der Arbeiten im Jahr 1964 aus.

Im April des Jahres 1962 verschaffte sich der erste Bataillonskommandeur, Major Keppler, bei einem Gegenbesuch in Emmerich vor Ort einen Eindruck, sowohl vom Standort der geplanten Kaserne, als auch von der zukünftigen Garnisonsstadt. Diesem Besuch des Bataillonskommandeurs in Emmerich folgten weitere, denn es war ein besonderes Anliegen, frühzeitig den Kontakt mit Emmerich am Rhein aufzubauen.

So fanden sich die Pioniere bereits am 2. Mai 1962 zur Grundsteinlegung der neuen Rheinbrücke in Emmerich ein, die – wie wir Emmericher wissen – im letzten Jahr das 50. Jubiläum feiern konnte. Das Pionierbataillon unterstützte damals  – noch von Köln aus – die Emmericher Stadtverwaltung bei den Festlichkeiten zur Grundsteinlegung der Rheinbrücke vor allem durch die Abstellung von drei Landungsbooten für den Transport der Ehrengäste vom staatlichen Zollhafen zum stromabwärts gelegenen Festplatz. Viele weitere Hilfe- und Unterstützungsleistungen für die Stadt Emmerich – nicht nur bei großem Hochwasser – sollten in den nächsten Jahrzehnten folgen, die ich aus zeitlichen Gründen heute aber nicht im Detail aufzählen möchte.

Zurück zur Geschichte der Kaserne: In Emmerich besichtigte das Offizierkorps des Bataillons, zu dem sich auch der Befehlshaber des Wehrbereichs III gesellte, bereits im September 1962 die zukünftige Baustelle der Kaserne, die von Herrn Oberregierungsbaurat Batiz des damaligen Finanzbauamtes Wesel gemanagt wurde. Die von Anfang an ständigen Kontakte des Bataillons zur Stadt Emmerich konnten jedoch eine vorläufige Einstellung des Kasernenbaues nicht verhindern. Da die Finanzierung der Baumaßnahmen aus Mitteln des Bundes noch nicht sichergestellt war, kam es im Jahr 1963 zur Einstellung der bereits begonnenen Rodungsarbeiten auf dem Gelände der geplanten Kaserne im Erschließungsgebiet Nollenburger Weg. Sie ruhten bis Ende 1964, dann erst wurde mit den Tiefbauarbeiten begonnen. Der Bau der Kaserne war damit bereits über zwei Jahre im Verzug.

Erst im Oktober 1965 konnte der Grundstein für die Hochbauten gelegt werden. Als Anfang 1967 die Gebäude im Rohbau standen, traf den Kasernenbau ein von der Bundesregierung verhängter allgemeiner Baustopp. Die Bauarbeiten ruhten erneut für viele Monate. Das Richtfest konnte so erst im März 1968 gefeiert werden. Die abschließenden Arbeiten am Kasernenkomplex wurden dann jedoch nach insgesamt fünfjähriger Bauzeit mit einigen Unterbrechungen im Frühjahr 1969 beendet.

Als die Emmericher Kaserne für die Belegung freigegeben war, rückten die Vorauskommandos der einzelnen Kompanien des Bataillons am 21. April 1969 aus Köln an, um die Unterkünfte und andere Liegenschaften zu übernehmen und herzurichten. Von Köln überführte das Bataillon Einrichtungs- und Ausrüstungsgegenstände, vom Spind bis hin zum Pioniergerät, in die neue Garnison Emmerich.

Am 21. Juni 1969 fand in der Öffentlichkeit die offizielle Übergabe der Kaserne statt, ein großer Tag für die Stadt Emmerich. Dazu wurde auf dem Geistmarkt in Emmerich eine militärische Parade durchgeführt. Mit klingendem Spiel zogen die Soldaten ein und nahmen auf dem Geistmarkt Aufstellung. Höhepunkt des Festaktes auf dem Geistmarkt bildete ein großer Vorbeimarsch von Soldaten, Fahrzeugen und Gerät der Pioniere. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen eines Tages der Offenen Tür am Nollenburger Weg. Er begann mit der öffentlichen Enthüllung des Namenszuges der Kaserne, die den Namen des Prinzen Moritz von Nassau getragen hat.

In den Bau der Kaserne waren bis zu diesem Zeitpunkt rund 33 Millionen Deutsche Mark geflossen. Für die Region um Emmerich bedeutete der Zuzug von fast 1.000 Soldaten, von denen ein Teil auch länger dienende Zeitsoldaten oder Berufssoldaten waren, einen wichtigen konjunkturellen Anstoß. Nicht zuletzt die Fördermittel des Bundes, für den Bau von 161 Wohnungen für die länger dienenden Soldaten, stellte innerhalb der Stadt Emmerich eine Unterstützung der örtlichen Bauwirtschaft da.Zuwachs erhielt die Moritz von Nassau-Kaserne im April 1971 durch zusätzliche Unterbringung eines ABC-Abwehrbataillons. Dieser Verband blieb allerdings nur wenige Jahre am Standort. Bereits 1977 verließ er Emmerich in Richtung Emden.

In den folgenden Jahren gab es in der Kaserne mehrere Umgliederungen, Aufstellungen, Zustationierungen und Auflösungen. Beispielhaft sind hier neben dem Pionierbataillon 140 zu nennen:

  • das Jägerausbildungszentrum 32/2 von 1971 – 1972, das als späteres Pionierausbildungszentrum geplant, aber nicht realisiert wurde.
  • das Jägerausbildungszentrum 53/4 von 1980 bis 1987.
  • das Pionierausbildungszentrum 800 von 1980 bis 1994.
  • die Reservelazarettgruppe 7304 des nichtaktiven Lazarettregimentes 73, die als Geräteeinheit u.a. mit dem Emmericher Krankenhaus eine enge zivilmilitärische Zusammenarbeit pflegte.
  • der Wallmeistertrupp 322/1 ab 1994.
  • der Spezialpionierstab Pipeline ab 1997.

An Ausbildungsplätzen für den Pionierdienst standen dem Pionierbataillon in Standortnähe ab März 1969 der Wasserübungsplatz Dornick mit einem Pionierhafen und einem Zugang zum Rhein, sowie ab August 1970 der Landübungsplatz Vehlinger Berge zur Verfügung. Auch diese Liegenschaften stehen heute zum Verkauf und warten auf eine Konversionsmaßnahme.

Bei einem großen Außerdienststellungsappell am 30. Mai 2008 auf dem Geistmarkt  wurde nach 39 Jahren das Kapitel der Bundeswehr mit aktiver Truppe am Standort Emmerich am Rhein geschlossen. Die Emmericher Pioniere verabschiedeten sich im Jahr 2008 mit dem Auszug von Personal und Material von der Stadt Emmerich und der Region Niederrhein.

Die Moritz-von-Nassau-Kaserne hat nach einer teilweisen Zwischennutzung durch die Hochschule Rhein-Waal mit der MONA GmbH inzwischen einen neuen Eigentümer. Heute beginnt mit dem 1. Spatenstich ein neue Geschichte in der alten Kaserne am Nollenburger Weg.

Den Investoren, Bauherren und zukünftigen Nutzern wünsche ich als Vorsitzender des Traditionsverbandes der ehemaligen Emmericher Pioniere viel Glück und nachhaltigen Erfolg bei der Umsetzung der geplanten Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Nachnutzung der ehemaligen Kaserne.

Ich verbinde diese Wünsche jedoch gleichzeitig mit der Bitte, zur Einrichtung eines Ortes der Erinnerung an 39 Jahre Pioniere auf diesem Gelände im Zuge der Baumaßnahmen aktiv beizutragen. Die Stadt Emmerich am Rhein und die MONA GmbH unterstützen bereits das Anliegen der ehemaligen Emmericher Soldaten, auf diesem Gelände mit einer Gedenktafel im Eingangsbereich an die fast 40-jährige Geschichte der Emmericher Garnison nachhaltig zu erinnern. Dazu gibt es eine Projektidee des Traditionsverbandes der ehemaligen Emmericher Pioniere, die auf der Grundlage einer Ratseingabe bereits durch den zuständigen Kulturausschuss einstimmig gebilligt wurde und zur Umsetzung aber noch weitere Unterstützung benötigt.

Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn alle zukünftigen Nutzer und Investoren in dieser ehemaligen Bundeswehrliegenschaft einen finanziellen Beitrag zur Umsetzung dieses Projektes leisten könnten. Damit soll in der heute sehr schnelllebigen Zeit dauerhaft und sichtbar an die Tradition und an die Geschichte von fast 40 Jahren Pionierstandort am Nollenburger Weg in Emmerich am Rhein erinnert werden.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Joachim Sigmund

Oberstleutnant a.D.

Gründungsvorsitzender im Traditionsverband der ehemaligen Emmericher Pioniere e.V.

Mitglied im Rat der Stadt Emmerich am Rhein