Ausmarsch der Speyerer Pioniere

Ausmarsch der Speyerer Pioniere sorgt für Wehmut…

                                                                                                                                                                                  Speyer, 25. Juni 2015
Treffender als der Speyerer Oberbürgermeister Hansjörg Eger hätte man den Appell zur Außerdienststellung des Spezialpionierbataillons 464 nicht kommentieren können: „Großes Kompliment für diese Veranstaltung, doch schön war sie nicht, weil der Anlass nicht schön war.“ Ähnlich empfanden die schätzungsweise 3000 Bürgerinnen und Bürger, die am 25. Juni 2015 anerkennend applaudierend und winkend den Appell auf dem Domplatz und den Ausmarsch der Soldaten durch die Maximilianstraße verfolgten.52 Jahre war Speyer Garnisonsstadt der Bundeswehr. Am 1. Februar 1963 hielten Soldaten des Luftlandepionierbataillons 9 durch die Maximilianstraße Einzug in ihre neue militärische Heimat. Hans-Georg Safar war einer von ihnen. „Der Appell vor dem Kaiserdom und der Ausmarsch der Soldaten auf dem gleichen Weg, den wir damals beschritten, haben mich emotional sehr bewegt“, sagte der heutige 74- jährige ehemalige Wehrdienstleistende. Viel Wehmut auch bei Christa Flöser. „Ich kann nicht glauben, dass es vorbei ist“, schluchzte die vor zwei Jahre in den Ruhestand versetzte Angestellte. 23 Jahre lang hat sie im Vorzimmer des Kommandeurs geschrieben und organisiert. Ihr Taschentuch war bei weitem nicht das einzige, das eine Träne aus dem Augenwinkel aufnahm. Viele Zaungäste, aber auch hartgesottene Soldaten taten ihr gleich. Speyer trauerte.„Das Spezialpionierbataillon 464 ist stolz darauf, Speyer und die Pfalz als Heimathafen zu haben, denn wenn sich der Pylon der Rheinbrücke und die Silhouette des Doms in der Ferne abzeichneten, stand dieses für die Heimkehr, stand dieses für die Heimat, stand dieses für den erfolgreich beendeten Einsatz“, beschrieb Oberstleutnant Stefan Jeck beim Appell auf dem Domplatz die besondere Verbundenheit seines Bataillons mit der Garnisonsstadt und der Region. In seinen weiteren Ausführungen hob der Kommandeur besonders die hohen Belastungen durch die Auslandseinsätze hervor. Durchschnittlich 350 Speyerer Pioniere befanden sich jährlich im Einsatz, bauten dort zumeist Feldlager auf und betrieben diese. „Die damit einhergehenden enormen Belastungen haben Sie und Ihre Familien tapfer ge- und ertragen“, bescheinigte Jeck den Soldaten und ihren Angehörigen. Das Bataillon habe er jeden Tag mit Freude geführt und er sei stolz, hier Kommandeur zu sein.

„Wir verfolgen diesen Augenblick mit Wehmut“, beschrieb Oberbürgermeister Hansjörg Eger in seiner Ansprache die Stimmung in der Stadt. Mehr als 50 Jahre hätten Soldaten und Speyerer gut zusammengelebt, als Partner, Freunde und Weggefährten. „Bürgerschaft und Bundeswehr können in Speyer auf Jahrzehnte guter Zusammenarbeit zurückblicken. Dank des hohen persönlichen Einsatzes der Soldatinnen und Soldaten wurde das Vertrauen der Domstädter, das sie in die Pioniere gesetzt haben, nie enttäuscht“, so der erste Bürger der Stadt, deren 200-jährige Geschichte als Garnison mit der Außerdienststellung des Spezialpionierbataillons 464, eine Dienststelle der Streitkräftebasis, zum 31. Dezember 2015 endet.

Dann wurde es feierlich. Begleitet vom Trommelschlag des Heeresmusikkorps Koblenz trat die Truppenfahne des Spezialpionierbataillons in die Platzmitte vor und Generalmajor Antoni sprach die Formel zur Außerdienststellung. Danach senkte der Träger die Truppenfahne. Der „Marsch der Soldaten des Robert Bruce“ erklang, worauf General und Bataillonskommandeur gemeinsam die Fahne einrollten, eine schwarze Schutzhülle darüber zogen und diese verschnürten. Nach dem Eintreten der Truppenfahne und dem Abspielen der Nationalhymne marschierten die Soldaten durch die menschengesäumte Maximilianstraße aus.
Vor dem historischen Rathaus grüßten Oberbürgermeister Eger und Generalmajor Antoni die Soldatinnen und Soldaten zum Abschied.

Quelle: Landeskommando Rheinland-Pfalz
Text: Rudi Meiszies
Fotos: Pascal Rojahn


Hat das Bataillon mit Freude geführt: Oberstleutnant Stefan Jeck
                           Generalmajor Hans-Erich Antoni stellt das Bataillon außer Dienst

Generalmajor Antoni und Oberstleutnant Jeck rollen die Truppenfahne ein

                                              Ausmarsch der Speyerer Pioniere