Kleine Ursachen – Große Wirkung
Der Bericht über die 800- Jahr-Feier, die ein großes Freudenfest, für die brandenburgische Kleinstadt Storkow/Mark war, in unserem Mitteilungsblatt Pioniere 2/2009 hatte von uns unerwartete Folgen. In polemischer, für mich teilweise ehrabschneidender Wortwahl haben zwei aktive Offiziere der Pioniertruppe im Forum auf der Internetseite des Bundes deutscher Pioniere die ihrer Einschätzung nach staatsbürgerliche Unzuverlässigkeit und Unkenntnis der Erlasslage des Vorsitzenden der Kurmärkischen Pionierkameradschaft kritisiert, der Autor des Berichts, wie auch des heutigen, war.
Der Bericht und die Kritik kamen auch zur Kenntnis des Generals der Pioniere. Er wandte sich in einem Brief an mich und teilte mir mit, dass er einige Passagen meines Beitrages in der letzten Ausgabe PIONIERE 2/2009 kritisch bewerte, insbesondere dass die Darstellung des Symbols der Pioniertruppe der Nationalen Volksarmee zusammen mit dem Eisernen Kreuz und dem Symbol der Pioniertruppe der Bundeswehr auf der Fahne einer Pionierkameradschaft nicht im Einklang mit den Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege der Bundeswehr (Traditionserlass) stehe . Die Gestaltung der Fahne sei zwar ausschließlich Sache des jeweiligen Vereins, wenn es aber bei der Gestaltung unserer Fahne bliebe, sehe er sich nicht in der Lage, aktiven Soldaten die Mitgliedschaft in der Kurmärkischen Pionierkameradschaft zu empfehlen. Auch stelle sich die Frage einer weiteren Unterstützung der Kameradschaft durch die Bundeswehr. Der in der Sache deutliche, aber in Stil und Ton kameradschaftliche und um Gemeinsamkeit bemühte Brief machte es der Pionierkameradschaft leichter, über die Gestaltung ihrer Fahne noch einmal nachzudenken.

Auf der einen Seite stand nach der Vereinigung Deutschlands die Herausforderung, dass sich Soldaten beider bisheriger deutscher Staaten in einer Kameradschaft zusammenschließen konnten, und auf der anderen, die Pflicht des verantwortlichen Generals der Pioniere, die Festlegungen der neuen ZDV 10/1 zu beachten. Beide Elemente überwölbte die Erkenntnis, dass die Vorteile der Gemeinsamkeit aktiver und ehemaliger Pioniere nach innen und außen nach wie vor entscheidend sind.
Deswegen entschloss sich die Mitgliederversammlung nach langer Diskussion mit eindeutiger Mehrheit, im Wappen und der Fahne der Kurmärkischen Pionierkameradschaft Storkow e.V. das Symbol der Pioniertruppe der Nationalen Volksarmee an gleicher Stelle durch das Symbol der Kurmärkischen Pionierkameradschaft Storkow e.V. (wie im Bild gezeigt) zu ersetzen.

Die Lebenserfahrung lehrt, dass Wespennester Gefahren darstellen. Allerdings können solche Gefährdungen durch vorbeugende Maßnahmen weitgehend minimiert werden. Deswegen hatte die Pionierkameradschaft parallel zu den beschriebenen Diskussionen das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) in Potsdam gebeten, das Pioniermuseum in der Storkower Kurmark-Kaserne zu besuchen und im Hinblick auf den Traditionserlass der Bundeswehr und die Richtlinien für das Museumswesen der Bundeswehr zu überprüfen. Dabei wurde im Gespräch mit dem Vertreter des MGFA die Einzigartigkeit der Kurmärkischen Pionierkameradschaft betont, in der Soldaten beider deutschen Armeen sich im nun vereinigten Vaterland ohne Vorbehalte ihre Geschichten und Schicksale erzählen, auch um die Unterschiede im Denken und Fühlen auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze besser verstehen zu können.
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Als Ergebnis sei hier der Eintrag des Beauftragten der Bundeswehr für das Museumswesen im MGFA in das Gästebuch unseres Museums zitiert:
„Bei meinem Besuch am 07.01.10. konnte ich feststellen, dass die Kurmärkische Pionierkameradschaft eine hervorragende Arbeit zum Zusammenwachsen von Ost und West und zur Aufarbeitung der Geschichte der Pioniertruppen in Storkow leistet. Ich bedanke mich dafür und wünsche der Kameradschaft weiterhin Erfolg“.
(07.01.10, Dr. Diedrich, Wissenschaftlicher Direktor und Museumsbeauftragter des MGFA).
Ernst-Georg Krohm