Pioniere der Bundeswehr

Weiterentwicklung der Pioniertruppe im Heer

Die Gruppe Pioniertruppe
im Amt für Heeresentwicklung

Amt fr Heeresentwicklung Kln

Mit dem 01. Oktober 2013 ist die Aufstellung des Amtes für Heeresentwicklung (AHEntwg) in Köln abgeschlossen. Hier wurden Zuständigkeiten der Weiterentwicklung des Heeres aus dem Heeresamt sowie den Bereichen Weiterentwicklung (BerWEntwg) der einzelnen Truppengattungen zu einer einstufigen Weiterentwicklung zusammengeführt.

Damit wurde der Bereich Weiterentwicklung PiTr an der Pionierschule aufgelöst und der General der Pioniertruppe hat seine Verantwortung für die Weiterentwicklung an den Gruppenleiter AHEntwg III 3 – Gruppe Pioniertruppe – übergeben.

Die Gruppe Pioniertruppe erarbeitet konzeptionelle Grundlagen für die Pioniere des Heeres und schafft planerische Voraussetzungen für die Entwicklung der Ausrüstung der Pioniertruppe. Sie ist der zentrale Ansprechpartner für die Truppe, um Erfahrungen aus Einsatz, Übungen und Ausbildung z.B. in Vorschriften / Regelungen oder in Initiativen für neue Ausstattung umzusetzen.

Organigramm AfHEZudem erarbeitet die Gruppe Pioniertruppe Forderungen an die Individual- und Teamausbildung, die dann gemeinsam mit dem Ausbildungskommando umgesetzt werden.

Im Bereich der materiellen Weiterentwicklung werden im Rahmen des Rüstungs- und Nutzungsprozesses die bevollmächtigten Vertreter des Heeres in den Arbeits-/ Entscheidungsgremien des Planungsamtes und des BAAINBw gestellt. Sie vertreten dort verantwortlich die Interessen der Pioniertruppe. Zudem werden taktische Einsatzprüfungen für Material der Pioniertruppe hier koordiniert.

Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem:

  • die Wahrnehmung der Pilotfunktion Kampfmittelabwehr (KpfmAbw) – u.a. mit der Fähigkeit Route Clearance – mit dem Fokus auf die Unterstützung der vielfältigen Herausforderungen der Überführung in die Truppenstruktur der Pioniertruppe,
  • die Unterstützung des Senior Joint Engineer (General der Pioniertruppe und Kdr Pionierschule / FSHBauT) und
  • der Bereich Military Engineering.

Die Komplexität des Auftrages und der Ausstattung der Pioniertruppe bedingt für die Weiterentwicklung eine vielfältige und differenzierte Bearbeitung. Um dem gerecht zu werden, ist der Bereich Weiterentwicklung Pioniertruppe in vier Dezernate aufgeteilt:

  • Dezernat Konzeption/Führung
  • Dezernat Ausbildung
  • Dezernat Organisation
  • Dezernat Materielle Weiterentwicklung

Die fachlichen Komponenten der Weiterentwicklung werden durch die enge Verzahnung der Dezernate innerhalb der Gruppe gewährleistet. Die übergreifenden Aspekte der ganzheitlichen Heeresentwicklung werden von der Abteilung Grundlagen/Querschnitt sichergestellt und die Koordination nach den Grundsätzen einer Matrix vorgenommen. Dieses ist ein innovativer Ansatz und soll das Einbringen des Heeres als System über alle Fähigkeitsdomänen (Führung – Aufklärung – Wirkung – Unterstützung) sowie Planungskategorien (Personal, Rüstung, Organisation, Ausbildung, Infrastruktur und Betrieb) gewährleisten.
Die Arbeit in dieser neuen, für Soldaten ungewöhnlichen, Organisationsform mit ihren neuen Prozessen befindet sich derzeit in einer „Warmlaufphase“. Einige Prozesse werden derzeit noch überprüft, da das AHEntwg erst seit dem 01. Oktober 2013 in vollem Umfang einsatzbereit ist. Um die Arbeit in der Gruppe zu veranschaulichen, werden die Dezernate mit ihren Schwerpunkten näher vorgestellt.

Dezernat Konzeption/Führungsgrundsätze

Das Dezernat Konzeption und Führungsgrundsätze befasst sich mit der konzeptionellen Weiterentwicklung der Pioniertruppe einschließlich der Kampfmittelabwehr in Pilotfunktion für die Bundeswehr. Wesentliche Elemente sind fachbezogene konzeptionelle Grundlagen, Regelungen (Vorschriften) sowie Initiativen zur Schließung erkannter Fähigkeitslücken. Ein wesentliches Kriterium ist es, die Einsatz- und Übungserfahrungen angemessen zu berücksichtigen. Dabei sind wir auf die Mitarbeit der der Pionierschule mit dem Zentrum für Kampfmittelbeseitigung der Bundeswehr, der Verbände und Einheiten angewiesen.

Auf zwei Besonderheiten soll hier verwiesen werden. Über die Integration der Weiterentwicklung Pioniertruppe in die ganzheitliche Heeresentwicklung hinaus gilt es, auch die Befähigung der Pioniertruppe als Heeresbeitrag zur Aufgabe Military Engineering weiterzuentwickeln. Diese Aufgabe, im BMVg wahrgenommen durch das Referat Strategie und Einsatz III 5, soll der General der Pioniertruppe als Senior Joint Engineer Bundeswehr koordinieren. Die Kampfmittelabwehr wird durch das Heer in Pilotfunktion für die gesamte Bundeswehr wahr genommen. Das heißt nicht nur, dass die Pioniertruppe zukünftig die Kampfmittelabwehrkräfte z.B. für Einsatzflugplätze der Luftwaffe bereitzustellen hat, sondern auch, dass im Amt für Heeresentwicklung Weiterentwicklung, Konzepte, Vorgaben und Regelungen für die Streitkräfte zu erstellen sind, sofern sie nicht besondere Spezifika wie z. B. für die Minentaucher betreffen. Diese sind dann jedoch im Dezernat Konzeption und Führungsgrundsätze zu koordinieren.

Weiterhin wird im Dezernat die Vertretung in multinationalen Gremien insbesondere der Military Engineering Working Group und der EOD Working Group der NATO wahrgenommen.

Darüber hinaus ist das Dezernat für die taktische Einsatzprüfung von neu einzuführendem Gerät verantwortlich und erarbeitet damit die Grundlage für die Entscheidung über die Übernahme des Geräts in das Heer.

Diese Aufgaben werden in drei Teams erarbeitet: „Pioniere allgemein“, „Kampfmittelabwehr“ und „Taktische Einsatzprüfung“.
Derzeit beschäftigt sich das Team Pioniere allgemein mit der Erstellung eines Konzeptes zu „Military Engineering“, dem Überführen der Vorschriften (z.B. HDv 282/100, Die Pionierkompanien des Heeres oder HDv 280/100, Führung der Pioniere) in die Systematik des neuen Regelungsmanagements der Bw und dem Erstellen von Initiativen für neues Gerät. Beispiele sind: Pioniergeräteausstattung, Erkundungs- und Vermessungsausstattung, gepanzerte Pioniermaschine. Im Bereich Pioniertaucherdienst werden derzeit die beiden Tauchervorschriften MDv 450/1 und HDv 287/300 zu einer gemeinsamen Regelung für den Taucherdienst in der Bundeswehr zusammengeführt. Darüber hinaus ist die Zuarbeit zur Erstellung der Fähigkeitslage ein kontinuierliches Arbeitsfeld. Hierbei geht es um die Hinterlegung der Aufgaben der Bundeswehr mit Funktionalen Bausteinen, die zu deren Erfüllung notwendig sind. Die Funktionalen Bausteine für die Pioniertruppe sind Fördern von Bewegung/Pionieraufklärung, Hemmen von Bewegung, Wirkmittelabwehr/-beseitigung/EOD und Bauliche Schutzmaßnahmen. Hier wird beschrieben, was diese Aufgaben inhaltlich umfasst und es wird versucht sie qualitativ bewertbar zu machen. Darüber hinaus werden sie mit Ressourcen, das heißt konkret mit Ausstattung hinterlegt, die qualitativ und quantitativ ausreichend sein muss. Dieses wird auch auf die nächsten Jahre projiziert. Ziel ist es, die Fähigkeitslücken abzuleiten und deren Schließung zeitgerecht zu initiieren.
Aktuell ist für das Team Kampfmittelabwehr vor allem die Erstellung von Regelungen zum Einsatz von KpfmAbwKr, zur KpfmAbw von ABC-Kampfmitteln (ABC-Kpfm) und zu Kampfmittelaufklärungsverfahren von besonderer Bedeutung. Ein wesentlicher Auftrag bleibt, bis auf weiteres, die Implementierung der neuen Fähigkeit Route Clearance in den schweren Kampfmittelabwehrzügen sowie die Initiierung zusätzlicher Ausstattung für die Kampfmittelabwehrzüge (leicht/mittel). Dazu gehören auch der Kampfmittelabwehrtaucherzug sowie der Kampfmittelabwehrzug ABC-Kpfm als neue Fähigkeiten.

Das Team Taktische Einsatzprüfung plant und bereitet taktische Einsatzprüfungen für Gerät der Pioniertruppe vor, begleitet die Einsatzprüfungen und wertet diese aus. Hierfür sind durch das Team Szenare und Prüfprogramme auf Grundlage von funktionalen Forderungen zu entwickeln. Die Durchführung ist in enger Abstimmung mit dem beauftragten Truppenteil vorzubereiten. Die Ergebnisse der Einsatzprüfungen sind zu dokumentieren und zu bewerten. Bei Vorbereitung und Durchführung werden wir uns künftig wesentlich mehr als bisher auf die Truppenteile der Pioniertruppe und damit auf die Panzerpionierbataillone abstützen. So kann künftig besser sichergestellt werden, dass Erfahrungen und Erkenntnisse des Nutzers direkt in den Prozess der Beschaffung von neuem Gerät einfließen können.Jüngstes Beispiel war die Einsatzprüfung des Detektorfahrzeugs Route Clearance System, die inzwischen durch eine Überprüfung im Einsatz abgeschlossen wurde.

Dezernat Ausbildung

Das Dezernat ist in drei Teams gegliedert, die die verschiedenen Spezialisierungen in der Pioniertruppe widerspiegeln:
Alle drei Teams bearbeiten sowohl Handlungsfelder der zukünftigen Ausbildung der Pioniertruppe in ihrem jeweiligen Spezialisierungsbereich sowie übergreifende Beiträge zur Ausbildung im Heer und in den Streitkräften – soweit die Interessen der Pioniertruppe betroffen sind bzw. die Pioniertruppe streitkräftegemeinsam Aufgaben wahrzunehmen hat (z.B. Pionierdienst aller Truppen, Kampfmittelabwehr). Dazu wird sowohl die lehrgangsgebundene Individualausbildung als auch die Truppenausbildung betrachtet und bei der Einführung neuen Gerätes frühzeitig Beiträge für die zukünftige Ausbildung am und mit dem neuen Produkt eingebracht. Die Abgrenzung zum Ausbildungskommando in Leipzig ist noch nicht abschließend festgelegt. Grundsätzlich werden durch das Dezernat Ausbildung konzeptionelle Vorgaben für Lehrgänge festgelegt. Deren Umsetzung in Lehrgangsziele und Lehrgangsinhalte erfolgt im Ausbildungskommando. Für die Erarbeitung der Vorgaben für die Truppenausbildung (AnTrA) funktioniert dies umgekehrt. Das Dezernat Ausbildung arbeitet Beiträge zu. Es kommt auf den engen Schulterschluss an.
Neben diesen Aufgaben werden in allen drei Teams auch Ausbildungsmittel / -einrichtungen im Aufgabenbereich hinsichtlich der Eignung für die zukünftige Ausbildung betrachtet und, wo erforderlich, Verbesserungen und Änderungen initiiert. Eine enge Abstimmung mit dem Ausbildungskommando, das die Aufgaben der Durchführung und Weiterentwicklung der laufenden Ausbildung wahrnimmt, ist daher nicht nur im Bereich Ausbildungsmittel für alle Teams unerlässlich.
Das Team Pioniertruppe allgemein hat die Aufgabe, die zukünftige Ausbildung der Panzerpionierzüge aber auch der Schwimmbrückenteileinheiten (sowohl in der Individual- wie auch in der Truppenausbildung zu konzipieren. Darüber hinaus wird hier die Aufgabe der Pionierausbildung aller Truppen sowie die Bewertung vorhandener Ausbildungsmittel/ -einrichtungen für die allgemeine Pionierausbildung und Forderungen an zukünftige Ausbildungsmittel wahrgenommen.
Das Team Pioniermaschinen / Pioniertaucher kümmert sich um die Ausbildung der Pioniermaschinenzüge (gepanzert / ungepanzert, Bohrzug), um die Anteile für die Teileinheiten der Schwimmbrückenkompanien sowie um die Weiterentwicklung der Taucherausbildung. Hierbei ist das Team zuständig sowohl für den „allgemeinen“ Taucherdienst in der Pioniertruppe als auch, das ist neu, für die Kampfmittelabwehrtaucher der Pioniertruppe, die die Aufgaben Kampfmittelabwehr in Binnengewässern wahrnehmen. Hier liegt momentan der Schwerpunkt auf der Konzipierung der Ausbildung. Die Ausgestaltung der Taucherausbildung der Bundeswehr mit ihren verschiedenen Facetten erfolgt stets in enger Zusammenarbeit mit der Marine. Ein Beispiel ist hier die Zusammenfassung der derzeit noch getrennten HDv / MDv zu einer bundeswehrgemeinsamen Regelung in Zusammenarbeit mit dem Dezernat Konzeption/Führungsgrundsätze.
Das Team Kampfmittelabwehr ist verantwortlich für die Grundlagen der Ausbildung der Kampfmittelabwehrzüge. Dies schließt die Zuarbeit der fachlichen Anteile Kampfmittelabwehr für das Team PiMasch/PiTa mit ein.

Dezernat Organisation

Das Dezernat versteht sich als Dienstleister der Truppengattung und erarbeitet die verbindlichen Organisationsgrundlagen für Aufgaben, Gliederung, Dienstposten und Material in der Pioniertruppe.
Zu den Aufgabenschwerpunkten des Dezernates gehören die Erarbeitung des Struktur- und Regenerationsbedarfes der komplexen und hochspezialisierten Teilfähigkeiten der Pioniere, einschließlich der Werdegangsmodelle für Offiziere, Unteroffiziere und Spezialisten in der Mannschaftslaufbahn der vielschichtigen Ausbildungs- und Verwendungsreihen der PiTr. Zudem werden im Dezernat die Personalbegriffe für Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften erarbeitet und mit entsprechenden truppengattungsspezifischen Tätigkeitsbildern bzw. Anforderungsprofilen hinterlegt.
Das Dezernat kann Änderungen der Soll-Organisation sowohl selbst initiieren als auch entsprechende Änderungsanträge bearbeiten, bewerten und zur Entscheidung weiterleiten. In dieser Eigenschaft sind die „Organisateure“ des Dezernates für Vorschläge von „außen“ immer aufgeschlossen. Durch die neu eingenommene Organisationsstruktur des AHEntwg ergibt sich somit erstmalig die Möglichkeit, die Struktur- und Organisationsbearbeitung der Pioniertruppe „quasi aus einer Hand“ durch die Bündelung aller konzeptionellen, strukturellen und querschnittlichen Elemente zu erreichen.

Dezernat Materielle Weiterentwicklung

Dieses Dezernat hat den Auftrag, die materielle Weiterentwicklung (MatWEntwg) der Pioniertruppe zu gestalten.
Im Kern ist es für folgende Bereiche zuständig:

  • Kampfmittelabwehr,
  • Pioniermaschinen,
  • die gemeinsam mit anderen Truppengattungen genutzte Geräte und Fahrzeuge und
  • sonstige pionierspezifische Rüstungsprojekte.

Das Dezernat stellt die bevollmächtigten Vertreter des Heeres (BV H) in allen pionierspezifischen Rüstungsprojekten und Beschaffungsvorhaben. Ihre Aufgabe ist die Vertretung der Interessen des Heeres in den integrierten Projektteams (IPT). Diese wiederum setzen sich aus Vertretern aller durch das Projekt betroffenen OrgBer zusammen. Die BV begleiten die Projekte in allen Phasen des Customer Product Managements (CPM), d.h. des Prozesses zur Bedarfsermittlung und Bedarfsdeckung in der Bundeswehr.
Als BV H und stimmberechtigtes Sprachrohr des Heeres im IPT agiert dieser stets in enger Abstimmung mit den anderen Dezernaten der GrpPiTr wie auch mit den anderen Truppengattungen im AHEntwg sowie dem Kommando Heer (Kdo H). Der BV H ist auch nach Einführung neuen Geräts in die Truppe verantwortlich im IPT den Sachverstand und die Nutzerforderungen der Pioniertruppe einzubringen. Darüber hinaus wirkt das Dezernat MatWEntwg mit bei der Erarbeitung von Beiträgen zur konzeptionellen Weiterentwicklung, zu Beiträgen für die Fähigkeitslage der Bundeswehr wie auch bei der Erarbeitung von Initiativen.
Bei besonderen Beschaffungsvorhaben, wie z.B. für das Taucherwesen, wird dieses Dezernat durch die jeweiligen Fachleute der anderen Dezernate unterstützt.
Von den derzeit laufenden Rüstungsprojekten im Bereich der Pioniertruppe sind insbesondere folgende zu nennen: Gefechtsfeldbrücke „gepanzertes Brückenlegesystem“ (als Nachfolger für den Brückenlegepanzer BIBER), das Route Clearance System und der TPz FUCHS Kampfmittelaufklärung und –Identifizierung (zum Aufspüren und Identifizieren von IEDs unter Schutz), das Einsatzfahrzeug TPz KpfmAbw sowie die stetigen Produktverbesserungen der bereits in der Nutzung befindlichen Fahrzeuge, Maschinen und Geräte.

Fazit und Ausblick
Die Auflösung des Bereiches Weiterentwicklung der Pioniertruppe an der Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik stellt eine wesentliche Veränderung im Bereich unserer Truppengattung dar. Ein über die Jahre angewachsenes Know How und ein eingespieltes Netzwerk mussten dabei in das AHEntwg übergeben werden.Für uns ist es entscheidend, die Chancen zu nutzen, die das Amt für Heeresentwicklung durch das neue Modell der Einstufigkeit der Weiterentwicklung und die Konzentration aller Grp WE der Truppengattungen des Heeres in einer neuen Organisationsform bietet. Dazu sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen, denn manches kann nur umgesetzt werden, wenn wir im Dialog bleiben und unsere Maßnahmen abstimmen.


PiSchule 3Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik

heute: Ausbildungszentrum Pioniere

Nachdem die bayerische Landeshauptstadt München bereits von 1857 bis 1914 Standort der Königlich Bayerischen Artillerie- und Genieschule und von 1920 bis 1936 Standort der Pionierschule der Reichswehr war, wurde im Rahmen der Aufstellung der Bundeswehr Mitte der 1950er Jahre mit Befehl des Bundesverteidigungsministeriums vom 22. März 1956 auch die Aufstellung der „Truppenschule Pioniere“ in der damaligen „Lohengrin-Kaserne“ in München – Oberföhring befohlen. Bereits am 01.07.1956 nahm die „Pionierschule“ mit drei Lehrgruppen und sechs Inspektionen den Lehrbetrieb auf. Die Schule wurde im Lehrauftrag von Beginn an durch verschiedene Pionierlehrverbände und -einheiten unterstützt, welche von 1956 – 1993 in der „Funkkaserne“ in München Freimann und ab 1963 mit Teilen auch in Krailling stationiert waren. Die Lohengrin-Kaserne wurde in den Folgejahren bedarfsgerecht erweitert, die Infrastruktur den Erfordernissen der Ausbildung angepasst.

1964 erfolgte dann in Erinnerung an den österreichischen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen, den Gründer von zwei Ingenieur-Akademien in Wien und Brüssel im Jahr 1717, die Umbenennung der Kaserne in „Prinz Eugen-Kaserne“. Mit Abschluss des ersten Fachhochschulstudienganges „Bauingenieurwesen“ im Rahmen der Ausbildung der Pionieroffiziere erhielt die Pionierschule 1966 die Zusatzbezeichnung „Akademie des Heeres für Ingenieurbau“. 1971 begann die Ausbildung von Bautechnikern für die Pioniertruppe, ein Jahr später erfolgte die Umbenennung in „Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik“. 1972 wurden Teile der Pionierschule und der Lehrtruppe bei Vorbereitung und Durchführung der XX. olympischen Sommerspiele in München eingesetzt. 1977 wurde das Euro NATO Training Engineer Centre, besser bekannt unter der Abkürzung ENTEC, der Schule organisatorisch zugeordnet.

In den Folgejahren wuchs der Bedarf an Ausbildungskapazität derart auf, dass die Unteroffizierausbildung der Schule ab 1981 in die „Stettenkaserne“ in München Schwabing verlegt wurde. Ebenfalls 1981 wurde das Pionierlehrbataillon 220 der Pionierschule im Frieden bis zu seiner Auflösung im Jahr 1993 direkt unterstellt.

Später erfolgte die Verlegung der Lehrgruppe B in den Standort Ingolstadt, welcher mit seinem Wasserübungsplatz an der Donau bereits seit Jahren als zentraler Ausbildungsort für die Wasserausbildung auf schnell fließenden Gewässern Bedeutung für die Pioniertruppenteile der Bundeswehr erlangt hatte. 1996 wurde das „Lager übende Truppe“ Münchsmünster mit dem Wasserübungsplatz Wackerstein der Schule unterstellt.

Diese Liegenschaft wurde in Folge Standort für die Aufstellung der „Bauinstandsetzungseinrichtung“ (BIE) zur bauhandwerklichen Ausbildung und Vorbereitung von Pionieren auf Auslandseinsätze. 2006 feierte die Pionierschule ihr 50jähriges Bestehen und bekam anlässlich des Jubiläums das Fahnenband des Bayerischen Ministerpräsidenten verliehen. Im Rahmen der Neuordnung der Schullandschaft der Bundeswehr wurde die Verlegung der Pionierschule von München nach Ingolstadt ausgeplant.

Der erste Spatenstich für die zukünftige Pionierschule Ingolstadt erfolgte am 13.09.2006 in Anwesenheit des damaligen Bayerischen Staatsministers des Innern, Dr. Günther Beckstein, in der „Pionierkaserne auf der Schanz“. Die Verlegung der Schule wurde auf das Jahr 2009 festgelegt.

Am 22.01.2009 verabschiedete sich die Pionierschule nach 53jähriger Stationierung mit einem Festakt offiziell aus dem Standort München. Insgesamt wurden bis zu diesem Zeitpunkt ca. 238.000 Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften und Zivilbeschäftigte der Bundeswehr sowie Soldaten verbündeter und befreundeter Streitkräfte als Lehrgangsteilnehmer im breiten Spektrum des Pionierwesens an der Schule ausgebildet. Bereits Ende 2008 wuchs ENTEC zum Military Engineering Centre of Excellence (MilEngCOE) auf und verlegte Mitte Januar 2009 als selbständige Dienststelle nach Ingolstadt.

Am 26.01.2009 begann planmäßig der Umzug der Pionierschule nach Ingolstadt, wo innerhalb von zwei Jahren eine der modernsten Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr entstanden ist. Die „Prinz Eugen-Kaserne“ in München wurde mit Ablauf des 31.03.2009 von der Bundeswehr aufgegeben. Auf dem Gelände wird ein Wohngebiet entstehen.

Mit Abschluss des Umzuges ist die „Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik“ seit dem 01.04.2009 am Hauptstandort Ingolstadt in der neu konzipierten Pionierkaserne auf der Schanz sowie mit Teilen an den Standorten Percha und Havelberg (Pioniertaucherausbildung), Münchsmünster (BIE) sowie Ellwangen (Gefechtsübungssimulationssystem SIRA) stationiert. Die Aufnahme des Ausbildungsbetriebes am neuen Standort erfolgte verzugslos. Im Zeitraum 13. -15.05.2009 wurde erstmalig in Ingolstadt die jährliche Fortbildung für Kommandeure, Kompaniechefs selbständiger Pioniereinheiten und Pionierstabsoffiziere in herausgehobener Verwendung in Anwesenheit des stellvertretenden Inspekteurs Heer, Generalleutnant Weiler, in der Aula des neuen Hörsaalgebäudes durchgeführt. Am 23.06.2009 erfolgte die offizielle Einweihung der Pionierkaserne auf der Schanz mit Festakt, symbolischer Schlüsselübergabe und Übergabeappell in Anwesenheit des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Jung, des Inspekteurs Heer, Generalleutnant Budde, des Amtchefs Heeresamt, Generalmajor Clauß sowie weiterer hochrangiger Gäste aus Politik, Verwaltung und öffentlichem Leben. Am 30.07.2009 verabschiedete der General der Pioniertruppe und Kommandeur der Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik, Brigadegeneral Krippl, erstmalig in Ingolstadt den 40. Bautechnikerlehrgang. Informationsbesuche des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Schneiderhan, der Abteilungsleiterin Wehrverwaltung im BMVg, Ministerialdirektorin Greyer-Wieninger sowie weiterer Besuchergruppen zeugen seit der Übergabe der architektonisch anprechenden, zugleich funktionellen und modernen Liegenschaft von regem Interesse an der neuen Pionierschule.

Die Stadt Ingolstadt

Die erste schriftliche Erwähnung Ingolstadts findet sich in der Reichsteilungsurkunde Karls des Großen, datiert auf den 06. Februar 806. Der Ort entwickelt sich zunehmend als er ab 1180 in die Hände der Wittelsbacher kommt. Um 1250 bekommt Ingolstadt die Stadtrechte verliehen.

Die zweite Epoche der Stadtgeschichte beginnt ab Mitte des 14. Jahrhunderts, nachdem Ingolstadt Residenz der Herzöge von Bayern – Ingolstadt geworden ist. Die in viele Nebenläufe geteilte Donau wird mit dem Hauptarm an die Stadt herangezogen. Im Zuge der Stadterweiterung wird der Bau einer vollständig gemauerten Stadtbefestigung bis ca. 1430 verwirklicht.

Ingolstadt wird zu einem bedeutenden Handelsplatz insbesondere für Salz und Wein, ab dem 15. Jahrhundert zunehmend auch für Bier. Am 23. April 1516 wird hier das als erstes verbindliches Lebensmittelgesetz bekannte „bayerische Reinheitsgebot“ zur Herstellung von Bier erlassen. Bereits 1472 erfolgt die Einrichtung der ersten bayerischen Landesuniversität. Im frühen 16. Jahrhundert, im Zeitalter der Reformation, wird Ingolstadt dann ein Hauptort der Gegenreformation. Der Ingolstädter Professor Johannes Eck zählt zu den bekanntesten Widersachern Martin Luthers. Ab 1537 wird Ingolstadt zur bayerischen Landesfestung ausgebaut.

Dieses bringt der Stadt den Namen „die Schanz“ ein. Der heutige Kasernenname leitet sich hieraus ab. In den folgenden Jahrhunderten, im Schmalkaldischen Krieg, im Dreißigjährigen Krieg sowie im Spanischen Erbfolgekrieg wird die Festung Ingolstadt mehrfach belagert, kann sich jedoch jedes Mal behaupten. Am 30. April 1632 stirbt der berühmte Heerführer der katholischen Liga, Johann Graf von Tilly, an den Folgen einer Kriegsverwundung in Ingolstadt. Mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee im Jahr 1799 verliert Ingolstadt sowohl den Status als Festung als auch als Universitätsstadt. Die Festung wird geschleift, die Universität nach Landshut verlegt.

Mit der Ausrufung Bayerns zum Königreich im Jahr 1806 fällt die Entscheidung, Ingolstadt zur „Königlich Bayerischen Hauptlandesfestung“ auszubauen. Auf Grund der durch die napoleonischen Kriege belasteten Staatsfinanzen werden die Bauarbeiten jedoch erst 1828 begonnen. In den Folgejahren entsteht eine Festung für gut 12.000 Soldaten, bestehend aus fünf „Fronten“ und sechs „Kavalieren“. Im Jahr 1861 gibt es 7.200 Einwohner und 12.750 Soldaten in der Stadt. Die städtebauliche Entwicklung Ingolstadts wird großenteils durch das Militär geprägt. Die Stadt wird an das Eisenbahnnetz angebunden, erste Industriebetriebe, vor allem Rüstungsbetriebe wie die „Königlich Bayerische Geschützgießerei“, siedeln sich an. Nach dem Krieg 1870/71 wird die Festung durch den Bau weiterer vorgeschobener Forts verstärkt, um auch weitreichenden Geschützen standhalten zu können. Bis zum Jahr 1909 dauert die Fertigstellung des Fortgürtels in einer Entfernung von 7 bis 10 Kilometern rings um die Stadt. Ein „Genie-Bataillon“ wird aus bereits bestehenden technischen Kompanien aufgestellt und „auf der Schanz“ stationiert. So wird Ingolstadt zur Wiege der Bayerischen Pioniertruppe.

Während des ersten Weltkrieges wächst die Anzahl der Soldaten in Ingolstadt auf über 40.000 an. Die Festungsbauten werden im Verlauf des Krieges als Lazarette und Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Der bekannteste Kriegsgefangene ist Hauptmann Charles de Gaulle, der spätere französische General und Präsident. Nach dem Krieg stellen die Rüstungsunternehmen in Ingolstadt ihre Produktion auf die zivile Nachfrage um. Der Grundstein für die spätere Entwicklung zur Industriestadt wird gelegt. 1937 wird der Status Ingolstadts als Festung nach 400 Jahren offiziell aufgehoben. 1938 erfolgt die Anbindung an das Autobahnnetz.

Während des zweiten Weltkrieges ist Ingolstadt Garnisonsstadt und Standort zahlreicher Rüstungsbetriebe. Trotzdem bleibt die Stadt bis Anfang 1945 von Bombenangriffen verschont. Erst ab Januar 1945 wird Ingolstadt mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Umfangreiche Zerstörungen sind die Folge. Nach der Kapitulation deutscher Kräfte in Ingolstadt am 26. April 1945 besetzen die Amerikaner die Stadt kampflos. Letzte deutsche Verbände haben zuvor die Donaubrücken gesprengt. Nach 1945 beginnt mit der Zunahme der Bevölkerung, bedingt durch den Zustrom der Vertriebenen des Krieges, der Wiederaufbau und ein wirtschaftlicher Aufschwung. 1949 läuft die Automobilherstellung mit der Produktion des DKW-Schnelllasters wieder an. Weitere Industriebetriebe nehmen ihre Produktion auf.

Nach Aufstellung der Bundeswehr in der Mitte der 1950iger Jahre wird Ingolstadt wieder Garnisonsstadt. In der Kaserne auf der Schanz werden zwei Pionier- und ein Panzeraufklärungsbataillon, verschiedene selbständige Pioniereinheiten und später auch Teile der Pionierschule aus München stationiert. In der angrenzenden Gemeinde Manching erfolgt die Stationierung von Luftwaffenverbänden. Durch Gebietsreformen und Eingemeindungen überschreitet Ingolstadt im Jahr 1989 die 100.000 – Einwohnermarke und steigt damit zur Großstadt auf. Gleichzeitig wird Ingolstadt erneut Universitätsstadt. Im Jahr 2006 feiert Ingolstadt, auch mit tatkräftiger Unterstützung der Bundeswehr, das 1200jährige Stadtjubiläum mit einem historischen Festumzug.

Heute ist Ingolstadt eine moderne Groß- und Industriestadt von ca. 125.000 Einwohnern, vor allem bekannt durch den Automobilbau und die Erdöl verarbeitende Industrie. Erhalten geblieben und sehenswert ist der historische Stadtkern mit zahlreichen architektonischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten sowie Teilen der alten Stadtbefestigung.


Geschichte der Pionierbrigade 80

wappen pibrig 80

Das Wappen der Pionierbrigade 80 zeigt den roten Brandenburger Adler sowie die Pionierbrücke als Symbol der Pioniertruppe des deutschen Heeres. Die Brücke selbst ist weiß auf schwarzem Grund gehalten und deutet auch damit auf die Waffenfarbe unserer Truppengattung hin. Es sei nebenbei angemerkt, dass Schwarz-Weiß auch die Farben Preußens waren.
Der Ehrenname der Brigade „Kurmark“ ist, ebenso wie der Brandenburger Adler im Wappen, eine Hommage an den Standort des Großverbandes und seiner unterstellten Verbände. „Kurmark“ ist die historische Bezeichnung für die Kerngebiete des ehemaligen Kurfürstentums Brandenburg und späteren Preußens, die den Kurfürsten seit Erlass der „Goldenen Bulle“ 1356, dem „Grundgesetz“ des Reiches, über Jahrhunderte das Recht gaben, den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mitzuwählen.
Am 03. Oktober 1990, auf Grund besonderer Verhältnisse in Storkow am 04. Oktober, wurde das dort stationierte Pionierregiment 2 und weitere Pioniertruppenteile in Storkow in einem Appell unter das Kommando der Bundeswehr gestellt.
Die Geschichte der Pionierbrigade 80 Kurmark beginnt am 19. April 1991. In einem feierlichen Auflösungsappell des Pionierregiments 2 und Aufstellungsappell der Pionierbrigade 80, in Anwesenheit eines Parlamentarischen Staatssekretär im BMVg, wurde durch den Befehlshaber im damaligen Wehrbereich VIII und Kommandeur der 14. Panzergrenadierdivision, Generalmajor Ruprecht Haasler, dem Kommandeur der Pionierbrigade 80 der Auftrag erteilt, Pionierregiment 2 und 28 weitere Pioniertruppenteile und -dienststellen der Nationalen Volksarmee aufzulösen und die Pionierbrigade 80 aufzustellen.
Im Mittelpunkt stand in den ersten Monaten, vielen Zeit- und Berufssoldaten der ehemaligen Nationalen Volksarmee Wege aufzuzeigen, um entweder die Übernahme in die Bundeswehr anzustreben oder einen geordneten Weg in das Zivilleben zu gehen. Darüber hinaus ging es darum, Tausende von Wehrpflichtigen diszipliniert in das Zivilleben zu führen. Nicht immer konnten faire Lösungen gefunden werden.
Parallel dazu wurden Waffen, Kampfmittel, Gefechtsfahrzeuge, Pioniermaschinen und vieles mehr aus dem Bestand der Nationalen Volksarmee gesammelt und geordnet an die Material-Depot-Service-Gesellschaft übergeben.
Im Übrigen waren die ersten Jahre insgesamt aufregende Zeiten. Einige „Schlüsselereignisse“ mögen das deutlich machen:
– In Begleitung eines Filmteams brachen Männer in Munitionsbunker auf dem Standortübungsplatz ein, um zu beweisen, dass Soldaten der Bundeswehr nicht in der Lage wären, die Sicherheit zu garantieren. Sie wurden durch den Offizier vom Dienst gestellt und der Polizei übergeben.
– Großstädtische Hooligans demolierten den russischen Soldatenfriedhof in Storkow, brachen die Sowjetsterne von den Grabstelen, zogen vor das Asylantenheim und warfen sie den Asylanten durch die geschlossenen Fenster. Storkower Pioniere restaurierten den Friedhof, einschließlich der Produktion neuer Sowjetsterne. Als Ergebnis erschien am Volkstrauertag eine Delegation der russischen Truppen in Deutschland in der Storkower Kurmark-Kaserne und legte zu Ehren der gefallenen deutschen Soldaten einen Kranz nieder. Als Posten standen rechts des Ehrenmals ein russischer und links ein deutscher Soldat.

– Die Pionierbrigade 80 war zeitweise Besitzer einer „Scud“-Rakete der NVA, einschließlich eines Übungsgefechtskopfes. Sie war aus den Beständen einer NVA-Raketenbrigade an einen Westberliner Waffennarren verkauft und von diesem in einem in der Nähe liegenden Dorf in einer Scheune eingelagert worden. Das Bundeswehr-Beschaffungsamt war dankbar, dieses moderne Raketensystem zu erhalten und bewerten zu können.

– Die Garnison Storkow war Zielpunkt zahlreicher hochrangiger Besucher. Bundespräsident, Bundeskanzler, der Verteidigungsminister, das Military Committee der NATO, sowie der General der Pioniere mit dem Kommandeur der Pionierschule der Vereinigten Staaten von Amerika und viele andere konnten sich vom jeweils erreichten Stand der Auftragserfüllung der Pionierverbände in Übungen und Lehrvorführungen überzeugen.

– Die Pionierbrigade 80 schloss 1993 mit der polnischen Pionierbrigade 4 im ehemaligen Landsberg und nach deren Auflösung 1997 mit der Pionierbrigade 5 in Stettin Patenschaften. Den Höhepunkt dieser Kooperation mit der Pioniertruppe der polnischen Armee bildete ein gemeinsamer Brückenschlag über die Oder 1996. Nach Brückenschluss reichten sich der polnische und der deutsche Verteidigungsminister, damals Volker Rühe, mitten auf dem Fluss die Hände. Er bewies nicht nur die Kompatibilität der Faltschwimmbrücke mit dem PMP-Brückengerät der polnischen Pioniertruppe.

– Am 17. September 1993 wurde der Brigade durch den Generalinspekteur der Bundeswehr der Ehrenname „Kurmark“ verliehen. Die Kaserne erhielt den Namen „Kurmark-Kaserne“.

– Am 15. August 1998 enthüllte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Pioniere im Oderbruch ein durch die Brigade erstelltes Denkmal als Dank für den Pioniereinsatz beim Oderhochwasser 1996.

– Der letzte Höhepunkt dieser verrückten, aber auch beglückenden ersten Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung bestand darin, dass Pioniere der Brigade mit ihren technischen Geräten 1993 die letzten Container des letzten Deutschland verlassenden russischen Großverbandes, der Berlin-Brigade, in Berlin-Karlshorst verladen mussten, damit die russische Armee den vertraglich festgelegten Zeitpunkt des Verlassens Deutschlands einhalten konnte. Die verfügbaren russischen Kräne waren ausnahmslos ausgefallen.

– In den 90er Jahren bestand die Brigade Kurmark aus folgenden aktiven Verbänden und Einheiten:

    • PiBtl 801, ab 01. Januar 2003 PzPiBtl 801 in STORKOW
    • sPiBtl 803 in HAVELBERG
    • ABCAbwBtl 805 in PRENZLAU
    • SpezPiKp (Ppl) 800 in PRENZLAU (ab 01.04.2000 Feldlagerbetriebskompanie)
    • Pionierstützpunkt Tarnen und Täuschen
    • StOSanZentrum in HAVELBERG

Sowie den Geräteeinheiten

    • PiBtl 802
    • PiBrBtl 670
    • SpezPiKp (Ppl) 801
    • FErs Kp 80

Nachdem die 1990er Jahre von umfangreichen Einsätzen im In- und Ausland geprägt waren, fiel zu Beginn des neuen Jahrtausends die Entscheidung, die Pionierbrigaden aufzulösen und die Pionierbataillone direkt den Großverbänden des Heeres zu unterstellen. Die traurige Aufgabe der Auflösung fiel Oberst Schwerdtfeger zu, der die Brigade seit 1998 führte.

Alle Truppenteile wurden direkt der 14. PzGrenDiv unterstellt. Der Auflösungsappell fand am 27. März 2003 im Beisein des damaligen Kommandeurs der Division, Generalmajor Christian Trull, statt. Sowohl der Brigade- als auch der Divisionskommandeur betonten in ihren Reden die herausragenden Leistungen der Pionierbrigade 80 Kurmark in den umfangreichen Auslands- und Hilfseinsätzen im Inland sowie auch vor allem bei der Übernahme und Auflösung der Verbände der ehemaligen NVA. Beide drückten ihr Bedauern angesichts des Verlustes dieses starken Großverbandes für die Panzergrenadierdivision aus. Auch zum Zeitpunkt des Appells befanden sich Angehörige der unterstellten Einheiten und Verbände im Einsatz auf dem Balkan, in Afghanistan und in Kuwait.

Mit der Auflösung des PzPiBtl 801 im Jahr 2006 endete dann auch die Geschichte des märkischen Städtchens STORKOW als Pionierstandort.

Um die Erinnerung an diesen traditionsreichen Standort der deutschen Pioniertruppe aufrecht zu erhalten, wurde 2006 durch die Initiative der „Kurmärkischen Pionierkameradschaft Storkow e.V.“ unter Leitung des ersten Brigadekommandeurs, Oberst a.D. Ernst-Georg Krohm, auf dem Gelände der Kaserne ein kleines Museum geschaffen. In dieser Militärgeschichtlichen Lehrsammlung werden die Leistungen von 10 000den junger Menschen, die in der Garnison Storkow über 50 Jahre ihre Pflicht als Soldaten taten, gezeigt. Daneben ist in der Kaserne ein riesiger Findling mit der stilisierten Pionierbrücke, das 1992 vom Schöneberger Rathaus hierher verlegte Ehrenmal der Eisenbahnpioniere und der Kasernenname „Kurmark“ geblieben, die an die Leistungen deutscher Pioniere erinnern. Die Stadt Storkow ehrte die Verdienste ihrer Pioniere auf besondere Art in Anwesenheit des Generals der Pioniere. Ein Platz vor der Kaserne erhielt in einer Feierstunde den Namen „Platz der Pioniertruppen“.

Die Pionier- und ABC-Abwehrtruppenteile erlebten unterschiedliche Schicksale:

    • PiBtl 801: Umgliederung in PzPiBtl, Unterstellung PzGrenBrig 41, zum 31.12.2006 aufgelöst
    • sPiBtl 803: Umgliederung in PzPiBtl, Unterstellung PzGrenBrig 1
    • ABCAbwBtl 805: aufgelöst
    • SpezPiKp (Ppl) 800: Umgliederung in eine Feldlagerbetriebskompanie bereits zum 01.April 2000, aufgelöst 31.03.2005
    • PiBtl 802 (GerEinh): Unterstellung PzGrenBrig 40, 2008 aufgelöst
    • PiBrBtl 670 (GerEinh): 2008 aufgelöst.

Ernst-Georg Krohm