"Die Ingolstädter lieben ihre Pioniere"
Großer Aufmarsch in der Ingolstädter Pionierschule:
Die modernste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr ist gestern Abend in Anwesenheit von Verteidigungsminister Franz Josef Jung, hohen Militärs und vielen Offiziellen aus Stadt und Region ihrer Bestimmung übergeben worden.

Bauherr und Hausherr bei der Schlüsselübergabe: Der Präsident der Wehrbereichsverwaltung Süd, Baron Götz-Friederich von der Ropp, mit Brigadegeneral Wolfgang Krippl, Chef der Pionierschule.
Es sollte ein Tag der Freude werden, doch nicht nur die dunklen Regenwolken warfen ausgerechnet zur Schlüsselübergabe und zum Indienststellungappell einen Schatten auf das neue Vorzeigeobjekt unter den Truppenschulen: An den tragischen Ereignissen in Afghanistan vom selben Tage kam niemand vorbei. Bei beiden Feierstunden (im Lehrsaal und später auf dem Antreteplatz) wurden Gedenkminuten für die drei gestern im Auslandseinsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten eingelegt.
Dann aber doch freundliche Mienen und von Stolz und Zufriedenheit geprägte Gruß- und Dankesworte. Rund 200 Gäste aus ihrer Führungsebene (darunter der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde), aus der Politik und dem öffentlichen Leben hatten die Pioniere nach Ingolstadt eingeladen, um den abgeschlossenen Umzug der Pionierschule von München an die Donau offiziell zu würdigen. Brigadegeneral Wolfgang Krippl, Chef der Schule und der deutschen Pioniertruppe insgesamt, erinnerte vor den Besuchern daran, dass das nun abgeschlossene Neubau- und Umzugsprojekt zunächst "beileibe kein Selbstläufer" gewesen war. In Ingolstadt weiß man noch zu gut von den Wechselbädern zu Anfang des Jahrzehnts, als das Projekt zwischen Haushaltslöchern, Sparmaßnahmen und immer neuen Planspielen der Bundeswehrführung beinahe zerrieben worden wäre.
Nach der Auflösung der letzten Truppenteile der früheren Garnison 2003 habe man schon die Befürchtung gehabt, sich ganz von der Bundeswehr verabschieden zu müssen, sagte OB Alfred Lehmann in seinem Grußwort: "Wir fürchteten schon fast das Ende unserer militärischen Tradition." Zum Glück kam es anders, so dass das Stadtoberhaupt gestern in den Lobgesang auf das ungebrochen gute Miteinander von Militär und Bürgern in der Schanz einstimmen konnte: "Die Ingolstädter lieben ihre Pioniere – sie schaffen Identität in der Stadt." Und das zähle noch mehr als der Wirtschaftsfaktor, den die Truppenschule und ihre vielen Lehrgangsteilnehmer zweifelsfrei darstellen.
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Verteidigungsminister Jung war direkt von einer in Hamburg absolvierten Pressekonferenz zur Entwicklung in Afghanistan eingeflogen. Er betonte, dass Ingolstadt "ein guter Standort für die Pioniertruppe" und die Kaserne Auf der Schanz nunmehr "eine der modernsten Liegenschaften" der Bundeswehr sei. Das zeitgemäße Erscheinungsbild der Schule und ihre technischen und pädagogischen Möglichkeiten steigerten die Attraktivität der Streitkräfte insgesamt, sagte Jung. Weil Truppenschulen "das Herz der Truppengattungen" seien, sei hier angelegtes Geld eine "Investition in die Zukunft".
Bei der Feierstunde mit Schlüsselübergabe im Lehrsaal hatte Architekt Meinhard von Gerkan eine gute Stunde zuvor eine kleine Anekdote zum Besten gegeben, die ebenfalls ein wenig Licht auf die Qualität wirft, die sich die Bundeswehr (zu Kosten von eingedenk Planungsphase immerhin rund 130 Millionen Euro) in Ingolstadt leistet. Gerkan erzählte von einer Ingolstädter Taxifahrerin, die ihm just auf der Hinfahrt erzählt habe, jüngst zwei amerikanische Offiziere von der Pionierschule abgeholt zu haben. Die hätten beteuert, noch nie eine militärische Einrichtung mit solch gehobenem Ambiente gesehen zu haben. Da müssten die Soldaten "in dieser Ferienhotelanlage" aber auch daran denken, ab und zu noch üben zu müssen…