Bund Deutscher Pioniere e.V.

Neues aus der Pioniertruppe

Vierdaagse

Eine Marschgruppe der Pionierschule Ingolstadt nimmt am 4-Tage-Marsch in Nijmwegen teil

Das Wandern ist des Müllers Lust, oder in diesem Falle: das Marschieren ist des Soldatens Lust. Nein, es geht in diesem Artikel nicht um einen 30-km-Leistungsmarsch, sondern um den berühmt-berüchtigten 4-Tage-Marsch in Nijmegen, Niederlande. Der "Walk of the World", wie dieser weltgrößte Marsch auch genannt wird, umfasst insgesamt 200 Kilometer. Jedoch verteilen die sich auf vier Tage, wobei jeweils der Startpunkt die 150.000-Seelenstadt Nijmegen, gleich hinter der deutschen Grenze, ist.
Wir, das bedeutet Oberstleutnant a.D. Klaus op de Hipt, zwei Hauptleute, sieben Oberleutnante, ein Leutnant und 5 Fähnriche, bildeten zusammen die Marschgruppe der Pionierschule Ingolstadt. Diese 16 Kameraden, darunter auch eine Frau Oberleutnant, vertraten sehr erfolgreich die Pionierschule bei den 95 "Vierdaagse" vom 19. bis zum 22. Juli 2011.

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Der 4-Tage-Marsch, welcher vom Königlich Niederländischen Bund für Leibeserziehung veranstaltet wird, wurde erstmals 1909 durchgeführt. Damals waren es noch 300 Teilnehmer. Diese Zahl wurde mit 41.316 Startern dieses Jahr deutlich überschritten, wobei "nur" 38.422 Marschierende nach dem vierten Tag ins Ziel kamen. Mit maximal 45.00 Teilnehmern setzt man seit ein paar Jahren eine obere Grenze, wegen begrenzter Straßenbreiten, jedoch legte man kein Maximum an Zuschauern fest, sodass auch dieses Jahr wieder rekordverdächtige 1,5 Millionen Schaulustige zum größten Volksfest der Niederlande kamen.
Wollen wir nun doch mal sehen, wie es bei unseren Kameraden von der Pionierschule zuging:

Einige übereifrige Starter von unserer Gruppe sind schon am Sonntag, den 17. Juli angereist, um die offizielle Eröffnungsfeier zu genießen. In einem großen Fußballstadion konnte man zum allerersten Mal die Techno-Begeisterung der Niederländer erleben. Egal welches Alter, man konnte rhythmische Körperbewegungen erkennen, die von wild tanzend bis hin zu Fußwippen reichten. Nach dieser körperlichen Betätigung wurde es ernst und die Marschdelegation der teilnehmenden Länder betraten die Arena. Internationale Musikkorps sorgten für die angemessene Begleitmusik, darunter auch das Luftwaffenmusikkorps 1 aus Neubiberg. Weiter ging es mit der Eröffnungsrede und dem Einflug von Fallschirmspringern in das Stadion. Mit Fabelwesen, einer begnadeten Sängerin und dem Lied: "You never walk alone" fand die Eröffnungsfeier ihren Höhepunkt. Nur noch die Worte des Marschleiters konnten dies toppen: "The 95th Four Days Marches are officially open". Ein bis dahin noch schönes Gefühl, was sich jedoch bald ändern sollte.
Der folgende Montag war Anreisetag für die restlichen Marschteilnehmer. In der Zwischenzeit besuchten wir das Luftlandemuseum in Arnheim, wurden vom TV Gelderland interviewt und genossen in aller Ruhe die schöne Stadt Nijmegen. Als schließlich alle Teilnehmer von uns die Startunterlagen erhalten hatten und jeder die vollgepackte Tüte mit Sonnencreme, Traubenzucker, Eisgel und tausendfacher Werbung bestaunt hatte, ging es in unsere Unterkunft, welche circa 15 Autominuten vom Startpunkt entfernt war. Dort erwarteten uns nicht nur 16 kuschlige, warme Betten, sondern auch zwei sehr freundliche Gastgeber. Diny und Jan sind es seit 6 Jahren gewohnt, die Marschgruppe der Pioniere zu versorgen und tun dies seither mit Leidenschaft. Nach einer kurzen Besprechung am Abend ging es noch voll fröhlicher Gemüter ins Bett.
Um 2:45 Uhr wurden wir mit dem Lied "Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein" freundlichst geweckt und dann begann das große Krabbeln. Jeder verband, puderte, salbte und besprühte seine Füße, frühstückte und konnte den Start kaum erwarten. Besonders die Frischlinge waren nicht mehr zu bremsen. Die Altteilnehmer wussten ja schon, was auf sie zukam, jedoch sah man auch in ihren Gesichtern ein noch zufriedenes Grinsen. Um vier Uhr fiel der Startschuss der ersten Etappe, welche uns 50 km durch den Norden von Nijmegen und dessen Umgebung führte. Die Stimmung am Morgen??? Einfach unbeschreiblich!!! Obwohl es vier Uhr morgens war, standen tausende Menschen laut schreiend am Straßenrand und versuchten jedem die Hände zu schütteln und viel Erfolg zu wünschen. Vollkommen überwältigt vergingen somit auch die ersten 15 km der Strecke. Dieser Enthusiasmus änderte sich im Laufe der Marschstrecke nicht. Nur wo es weit und breit keine Häuser mehr gab, wurde es etwas ruhiger. Sobald wir jedoch eine Ortschaft betraten, fühlte man wieder diese Begeisterung. Kinder standen am Straßenrand und verteilten Bonbons, Obst, Gemüse, Schokolade und selbst gebackenen Kuchen.
Jeder drehte seinen Gartenschlauch auf, um durstigen Marschierern Wasser nachzufüllen. Viele selbsternannte Hobby-DJs ließen ihre Boxen auf voller Lautstärke Tag und Nacht laufen, sodass man alle zehn Meter einen neuen Ohrwurm bekam. Der erste Tag verging ziemlich schnell, da man so viele neue Eindrücke erst einmal verarbeiten musste. Angekommen im Ziel, ließ sich jeder nur noch auf die weiche Wiese fallen. Hauptsache nicht mehr stehen, war die Devise. Nach einem wohlverdienten Feierabendbierchen fuhren wir zurück in die Unterkunft, versorgten unsere heiligen Füße und hielten einen Mittagsschlaf. Am Abend bestellten wir beim Lieferservice, erhielten eine Streckeneinweisung für den nächsten Tag und schlüpften wieder ins Bett, denn man ahnt es schon: der Wecker klingelte wieder 2:45 Uhr in der Früh.
Die Marschroute für den zweiten Tag führte uns in den Westen von Nijmegen. Am dritten und vierten Tag besuchten wir den Süden beziehungsweise Südosten. In der Stadt Wijchen gab es für uns Pioniere traditionsgemäß einen "Bandewijn", überreicht durch die Marketenderin und mit dem Spruch: "Op het Regiment" vom Regimentsadjudanten Schiltman der niederländischen Pioniere. Leider

   
mussten wir am zweiten Tag einen Ausfall hinnehmen. Die Ausfallquote der Marschgruppe der Pionierschule stieg somit auf zwei innerhalb von 26 Jahren. Der Rest von uns überlebte zwar den zweiten Tag, jedoch vermehrten sich die Schmerzen. Nach zehn Stunden Marschleistung fuhren wir zurück in unsere Unterkunft und wieder begann der Spaß der Fußpflege.
Am Donnerstag, dem dritten Marschtag, gab es wieder ein paar nennenswerte Highlights. Zunächst die "Berg en Dal"-Strecke, welche über die zweitgrößten Gipfel des niederländischen Königreiches führte. Insgesamt wurden ganze 86 Höhenmeter überwunden. Nach dieser schmerzhaften Erfahrung ging es auf dem Berggipfel zum kanadischen Soldatenfriedhof. Dieser war ein Geschenk der Niederlande an Kanada, als Dank für die Unterstützung der Alliierten im zweiten Weltkrieg. Auf diesem Friedhof legte jede Militärdelegation einen Kranz nieder und gedachte der Opfer. Auch wir legten eine kurze Pause ein und hielten für einen Moment inne. die restlichen Kilometer vergingen dank Schmerztabletten und Voltarensalbe doch recht schnell. Selbst die Wetterfee war uns hold und bewahrte uns die ganze Zeit vor dem Regen. Meist fing dieser erst eine halbe Stunde vor dem Ziel an, sodass wir halbwegs trocken und gesund ins Ziel kamen.
Endlich brach der vierte Tag an. Die wundervolle Stimme des Weckers ertönte ein letztes Mal: "Guten Morgen, Zeit zum Aufstehen, komm aus deinem Bett heraus ...". Nach dem Frühstück ging es erneut mit Schmerzen in den Beinen und brennenden Füßen zum Start. Man glaubte es kaum, aber die Stimmung um vier Uhr morgens am letzten Starttag übertraf noch eineml alle vorherige Tage. Nach circa 35 km kam das große Ereignis für uns Pioniere. Nach einer letzten Rechtskurve sah man sie: die Faltschwimmbrücke über die Maas, welche von den niederländischen Pionieren geschlagen wurde. Auf einem der zwei angebauten Hohlplattenfähren begrüßten uns Kolonel von Griensven und Adjudant Schiltman zu einem kleinen Umtrunk, einem "Brandewijn". Böse Zungen behaupten, dass dieser Schnaps eher nach Leim schmeckt. Doch wie im richtigen Leben gibt es nichts umsonst und somit mussten wir uns auch unseren Schnaps verdienen. Dazu wurde schon die Tage zuvor das niederländische Pionierlied einstudiert und nun mit Untertstützung der niederländischen Pioniere lautstark vorgetragen. Anscheinend klang es einfach himmlisch, sodass wir nicht nur den Schnaps bekamen, sondern ein kühles, blondes Warsteiner hinterher. Nach einer herzlichen Verabschiedung von den niederländischen Pionieren ging es auf die letzte Etappe mit dem Ziel schon greifbar nah vor Augen. Abgelenkt durch das nun vorherrschende flaue Gefühl im Magen und Kopf, welches uns unsere schmerzenden Füße fast vergesssen ließ, schleppten wir uns die letzten Kilometer gen Zieleinlauf. Ein paar Kilometer vor dem Ziel standen unsere Gastgeber Diny und Jan am Straßenrand, um uns noch einmal aufzumuntern und kleine, laute Geschenke zu überreichen, damit auch wir beim Zieleinlauf Krach machen konnten. Auf der "Via Gladiola" wurden alle Teilnehmer mit Gladiolen, grün-orangen Blumen in den Farben der Vier-Tage-Marschflagge, überhäuft. Die Zuschauer trugen uns mit der Musik und dem Anfeuern regelrecht ins Ziel. Einige verrückte Schaulustige hatten schon seit einer Woche ihre Sessel auf die Straße gestellt, um sich die besten Plätze zu sichern. Die wirklich besten Plätze hatten aber höchstwahrscheinlich die vielen hundert Personen auf den Dächern, die sich den ganzen Trubel aus der Vogelperspektive anschauten. Kurz vor dem Zieleinlauf säumten große Ehrentribünen die Straßen und dann sahen wir endlich das erlösende Banner: Ziel!!!
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Eine große Ehre war auch die Verleihung der Orden. Für einige war es die erste, für andere die fünfte oder sechste Verleihung. Nur Oberstleutnant a.D. Klaus op de Hipt fiel mit seiner 26. Teilnahme aus dem Rahmen. Nach dem fast endlosen Schulterklopfen und Glückwünsche verteilen ging es mit strahlenden Wangen zurück in die Unterkunft. Dort angekommen, begeisterten uns Diny und Jan mit einem grandiosen Grillfest, welches für einige der eigentlich krönende Abschluss des Marsches war.
Am nächsten Morgen gab es eine herzliche Verabschiedungsrede und einen großen Präsentkorb mit bayrischen Köstlichkeiten für die Gastgeber. Nun stand nur noch die Heimreise an. Zuhause fielen dann wahrscheinlich alle in einen zweitägigen Schlafmarathon. Geträumt haben wir zu 100 Prozent alle vom Viertagemarsch.
Hier noch ein paar Hinweise für alle, die sich diesen Marsch zutrauen:
1. Startunterlagen bitte nicht zu Hause vergessen. 2. Das frühe Aufstehen üben. 3. Stempelkarte und Armband nicht verlieren oder aufessen. 4. Genügend Voltaren, Penaten-Creme und Schmerztabletten mitführen. 5. Genießen, genießen, genießen.
Zum Schluss möchten wir uns herzlich bei Oberstleutnant a.D. Klaus op de Hipt, Diny und Jan sowie den 1,5 Millionen Zuschauern für die Organisation, die Unterstützung und das Anfeuern bedanken.

Nik Biedermann, Daniel Mittelstädt 

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