Bund Deutscher Pioniere e.V.

Neues aus der Pioniertruppe

Verstärkung eines Checkpoints der afghanischen Polizei durch die 2. / PzPiBtl 701, GERA

Der Panzerpionierzug des 21.ISAF-Kontingentes wurde von der 2./ Kompanie des Panzerpionierbataillons 701 aus Gera gestellt.

Dieser hatte im Rahmen seines Einsatzes von Ende Oktober 2009 bis Anfang März 2010 u.a. den Auftrag, einen Checkpoint der Afghan National Police (ANP) ca. 10 km südlich des Camp Marmal in Mazar-e-Sharif zu verstärken bzw. auszubauen.
Die Operation wurde in enger Zusammenarbeit mit dem German Police Project Team (GPPT) geplant, erkundet und durchgeführt. Von der ersten Erkundung bis zur Durchführung vergingen gerade mal 9 Monate, was für Bauprojekte im Einsatzland in dieser Größenordnung eine akzeptable Zeitspanne darstellt.
Eine erste Erkundung fand im 19. Kontingent durch die 4./Panzerpionierbataillon 701 statt, die Planung, Materialberechnung etc. erfolgte im 20. Kontingent durch die 3./Panzerpionierbataillon 701. Die Feinerkundung sowie die Durchführung der Baumaßnahme vom 08.-17.02.2010 fielen dann letztendlich in das 21. Ktgt.



Vorbereitende und begleitende Organisationsmaßnahmen

Dank der sehr guten Planung und Vorarbeit der Geraer Panzerpionierkompanien in den Vorgängerkontingenten konnten
wir uns neben der Eigensicherung voll und ganz auf den Bauauftrag als solchen konzentrieren. Neben den Kräften des Panzerpionierzuges auf TPz, Dingo, 5 to MSA und 7 to MSA nahmen zusätzlich ein Erkundungstrupp auf Fennek, zwei
TPz Fuchs aus dem ABC-Abwehrzug und für die ersten Tage aus einem AS12B des gepanzerten Pioniermaschinenzuges teil.
Nach dem Eintreffen am Checkpoint und der Besetzung der Sicherungsposten richteten wir den Zuggefechtsstand und
die Baustellen ein. Der Führer vor Ort führte mit dem Polizeichef, nach guter afghanischer Tradition bei einheimischem
Tee, die ersten Gespräche. Diese setzen sich über die gesamte Bauphase fort.
Insgesamt war mit einer Bauzeit von maximal 10 Tagen gerechnet worden. Geschuldet der extremen Witterung mit zweistelligen Minusgraden und anhaltenden Schneefall sowie nötiger Organisationsmaßnahmen parallel zu den Baumaßnahmen beschlossen wir im Rhythmus “drei Tage vor Ort - ein Tag im Lager“ zu arbeiten.

Im Wesentlichen galt es drei Kernaufgaben zu meistern:
- Verstärkung des Daches des Unterkunftgebäudes
- Bau einer Brücke inklusive der Treppe zur Straße
- Eigensicherung.


Baustelle I: Verstärkung des Daches und Bau der Zugangstreppe
Durch die Lage des Unterkunftsgebäudes direkt an einer Felswand besteht dort eine erhöhte Gefahr von Steinschlägen. Ziel war es, das vorhandene Dach zu verstärken um besseren Schutz vor herab fallenden Steinen und das Abfließen von Regen- und Schmelzwasser zu gewährleisten.
Oberfeldwebel Schleiernick als Baustellenleiter stellte im Vorfeld seinen 5 Mann starken Trupp zusammen und bereitete soweit möglich das Material im Feldlager vor.
Vor Ort boten die Pioniergerätesätze alles, was für die Baustelle nötig war.
Nach drei Tagen Arbeit konnten die Arbeiten am Dach erfolgreich abgeschlossen werden und der „Dach-Trupp“ machte sich daran, am geplanten Ende der Brücke eine Treppe in den Fels zu bauen. Mehrere Kanthölzer 10x10 wurden als Stufen in den Boden eingelassen, diese mit Pi-Pfählen zum Hang hin abgestützt und miteinander verbunden. Vorbild waren hier die provisorischen Treppen, die jedermann vom Bergsteigen her kennt. Pionierarbeit eben: Einfach, schnell und zweckmäßig!

Baustelle II: Errichtung einer Brücke
Grundproblematik war hier, dass auf Grund der Geländegegebenheiten die zu kontrollierende Straße und der Checkpoint durch ein Flussbett getrennt ist. Die meiste Zeit des Jahres stellt diese Tatsache kein Problem dar. Sobald aber die Schneeschmelze einsetzt wird aus dem kaum einen Meter breiten Bach ein reißender Fluss der auf bis zu 12 Meter
Breite anschwillt. Somit war keine direkte Verbindung zwischen Checkpointgebäude und der Straße möglich, was die dort eingesetzten Polizisten an der Erfüllung ihres Auftrages hinderte. Darum sollte ein dauerhafter und witterungsunabhängiger Übergang geschaffen werden.
Diese Brücke sollte aus einer auf Hescos basierenden Stahlträgerkonstruktion mit einem hölzernen Bodenbelag bestehen.
In Absprache mit dem GPPT wurde das Material bei zivilen Firmen vor Ort bestellt. Alles Material war auch wie geplant pünktlich am 4. Februar im Camp Marmal und konnte von uns soweit nötig noch zurechtgeschnitten bzw. verladen werden. Nur die Stahlträger fehlten bis zuletzt. Der „Jingle-Truck“ stecke irgendwo zwischen Kabul und Mazar, so die Aussage des Spediteurs. Wir konnten die Operation wegen absehbarer Folgeaufträge aber nicht weiter nach hinten verschieben und mussten am 8.2. mit dem Bau beginnen in der Hoffnung, dass die Stahlträger, die wir ab dem dritten Arbeitstag benötigten rechtzeitig ankommen würden.
Unter Führung von Hauptfeldwebel Reichardt fing der Bautrupp der Brücke mit den Arbeiten an den Fundamenten der Brückenpfeiler an. Diese wurden mit Hilfe des AS 12B aufgeschüttet und mehrmals verdichtet. Auf die fertigen Fundamente kamen zwei bzw. vier Hescos und wurden mit diesen verbunden. Die Hescos wurden mit Schüttgut befüllt und bekamen eine 30 cm dicke Betonoberschicht in der die Stahlträger und die Handläufe für das Geländer verankert wurden.
Der „12er“ grub unter Anleitung von Oberfeldwebel Fehse das Flussbett im Sinne der Baustelle weiter aus und schüttete rund um die Fundamente der Brückenpfeiler loses Geröll auf. Dieses fungiert zusammen mit im Lager gefertigten Betonklötzen als Treibgutabweiser.
Nachdem die Stahlträger mit „nur“ einem Tag Verspätung ankamen, konnten diese auf den Fundamenten angebracht
und befestigt werden. Den Bodenbelag stellten einfache vier cm dicke Holzdielen dar, welche über die gesamte Länge der Brücke verlegt und befestigt wurden.


Die Sicherung der Operation
Da der Checkpoint auf der Grenze der Blue Box von Mazar-e-Sharif liegt und die Auftragslage bei den Truppenteilen die für die Force Protection in Frage gekommen wären sehr hoch war, entschieden wir uns dafür, die Operation unter Eigensicherung durchzuführen. Durch die räumliche Nähe zum Camp Marmal und des gut zu sichernden Geländes in dem Geländeeinschnitt mit lediglich zwei Zufahrten konnte dies auch gewährleistet werden.
Durch die Einbindung des kompletten Panzerpionierzuges in die Bauaufträge wurde die Sicherung unter Führung von Hauptfeldwebel Herden von einem Planungstrupp auf Fennek und zwei ABC-Spürtrupps auf TPz-Fuchs gestellt. Somit konnte im Schichtverfahren sichergestellt werden, dass jeweils ein Fahrzeug mit schwerer Waffe am Süd- und Nordausgang des Taleinschnittes Stellung bezog und eine Streife zu Fuß zwischen den beiden Sicherungen eingesetzt war.
Nach unserer Bewertung war die Eigensicherung in diesem Falle auf Grund des gut zu sichernden Geländes und der Nähe zum Camp Marmal noch ausreichend. Außerhalb der Blue Box oder bei länger andauernden Arbeiten im offenen Gelände sollte der Panzerpionierzug jedoch von der Kampftruppe gesichert werden.
Großen Wert legten wir in Absprache mit dem GPPT auf die Einbindung der Afghanen in die Operation. Dies taten wir indem die afghanischen Polizisten die äußere Sicherung stellten. Ca. 50 Meter vor unseren Sicherungsposten errichteten sie einen temporary Checkpoint. Ihre Aufgabe war es, ankommende Personen, Fahrzeuge etc. anzuhalten und eine Personen- und Fahrzeugkontrolle durchzuführen. Mit Hilfe des Sprachmittlers wurden sie in die Tätigkeiten eingewiesen und führten diese auch zu unserer Zufriedenheit durch. Nach erfolgter Überprüfung gaben sie ein OK-Zeichen an die innere Sicherung und diese meldeten die Personen, das Fahrzeug oder oft auch die Eselkarawane über Funk an den Sicherungsführer, welcher den Verkehr auf der äußerst engen Straße koordinierte.

Fazit:
Trotz der extremen klimatischen Verhältnisse, zahlreicher technischer Ausfälle, den täglichen drei Stunden Fahrt durch unwegsames Gelände und der häufigen Lageänderungen blieben die Stimmung und die Leistungsfähigkeit auf höchstem Niveau. Viele konnten auf der Baustelle in ihren erlernten Berufen arbeiten, was den Soldaten merklich Freude bereitete. Darüber hinaus konnte man nach der Fertigstellung sehen, was man geschaffen hatte. Hier hatte es sich ausgezahlt, die jeweiligen Dienstposten im Panzerpionierzug mit Bauhauptberufen zu hinterlegen.
Auch die Zusammenarbeit mit der deutschen und afghanischen Polizei funktionierte einwandfrei und stellte eine interessante Erfahrung dar.
Gerade der aufrichtige Dank der afghanischen Polizisten zeigte uns, dass deutsche Pioniere in Afghanistan auch den  Wiederaufbau unterstützen können! Dazu haben wir durch den Bau an dem Checkpoint wieder ein Stückchen beigetragen.
Der Bau konnte am 17.02.2010 nach acht Bautagen abgeschlossen werden. Zwei Tage später fand durch den Kommandeur des Logistikunterstützungsbataillons, Herrn Oberstleutnant Fennel, den Kompaniechef der Pionierkompanie Mazar-e-Sharif, Herrn Hauptmann Köhler und dem Verantwortlichen seitens des GPPT, Herrn Hauptkommissar Kleist, die offizielle Übergabe an den Polizeichef des Distriktes Marmol statt.

Oberleutnant Daniel Bendlin
Panzerpionierzugführer 21.Kontingent ISAF
2./Panzerpionierbataillon 701 Gera


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