Die Panzerpioniere zeigten bei „Schwarze Mamba 2009“, was sie können.
Gleich zwei Übungen in zwei Wochen durchlief das Panzerpionierbataillon 1 aus Holzminden. Auf dem Truppenübungsplatz Klietz zeigten die Holzmindener Panzerpioniere, was sie in der Operation der verbundenen Kräfte leisten können. Die anschließende Regimentsübung „Smart Engineer“ führte die Soldaten über die Elbe, Aller und Weser auf den TrÜbPl Bergen.
Im Rahmen der Bataillonsübung „Schwarze Mamba“ wurden vom 12.09.09 bis zum 17.09.09 Teile der 1. Kompanie, die verstärke 4. Kompanie sowie die verminderte 5. Kompanie des Panzerpionierbataillon 1 über einen Zeitraum von insgesamt sechs Tagen beübt. Diese Übung bildete den Abschluss sowie den Ausbildungshöhepunkt des IOC (Initial Operational Capability – schnelle Eingreifreserve) Ausbildungsverbundes, den die Kräfte des Panzerpionierbataillon 1 seit gut einem Jahr durchlaufen haben. Hierbei war es das Ziel, durch die Bündelung aller Kräfte des Bataillons, Teile der Stabs- und Versorgungskompanie sowie zwei Kompanie- äquivalente aufzustel-len, die vollständig einsatzbereit sind. Diese IOC Kräfte sollen gemeinsam, mit zwei weiteren Kompanien des schweren Pionierbataillons 130 aus Minden, das „gemeinsame Pionierbataillon 131“ bilden. Gliederung der Teile Panzerpionierbataillon 1 sind in den Organigrammen abgebildet.
Zielsetzung der Übung „Schwarze Mamba“ war es, die Einsatzfähigkeit des Panzerpionierbataillons 1 zu überprüfen. 
Rahmenlage der Übung
Als Ausgangslage für die Übung wurde die Rahmenlage AZORIA verwendet. Nach ersten Konflikten und permanenten Streitigkeiten um die imaginäre Grenzprovinz Mecklenburg zwischen dem aggressiven MÜNSTERLAND im Osten und dem demokratischen LEINELAND im Südwesten entschloss sich die NATO, nach dem mehrere Ultimaten des Weltsicherheitsrates erfolglos ver -strichen waren, mit der Verlegung der 1. Panzerdivision in den Einsatzraum Klietz zu beginnen. Die NATO Kräfte hatten den Auftrag, LEINELAND gegen den Aggressor MÜNSTERLAND zu unterstützen und ggf. zu verteidigen. Trotz der starken Präsenz der NATO kam es zu einem Angriff von MÜNSTERLAND gegen LEINELAND, dem die 1. Panzerdivision zu nächst durch ein Verzögerungsgefecht mit der Panzerlehr- brigade 9 begegnete. Anschließend wurden die Folge- kräfte der 22. MechInfBrig durch den Gegenangriff der Panzerbrigade 21 in die tiefe rechte Flanke des Feindes zerschlagen.
Das oben geschilderte Szenar bildete die Grundlage der Übung „Schwarze Mamba“, die sich in drei Phasen unterteilte.
Phase 1 – Marsch
In Phase 1 der Übung wurde der Anmarsch in den Einsatzraum über eine Strecke von ca. 360 Km geübt. Hierzu verlegten die 1. Kompanie, die 4. Kompanie sowie die 5. Kompanie im Gefechtsmarsch nach den Marschgrundsätzen der 1. Panzerdivision von Holzminden nach Klietz. Mit dem Beziehen des Einsatzraums und dem Herstellen der Einsatzbereitschaft endete Phase 1.
Phase 2 – Angriff
In Phase 2, die den Schwerpunkt der Übung darstellte, wurde die direkte Pionierunterstützung der Panzerbrigade 21 im Angriff abgebildet. Hierzu wurden zunächst einzelnen Teileinheiten der 4. Kompanie Erkundungsaufträge zugewiesen, welche sich über den gesamten Übungsplatz erstreckten. Hierbei war es die Idee des Gefechts, die einzelnen Züge während der Durchführung ihres Auftrags in eine für sie unbekannte Gefechtslage zu versetzten, die in einem Zuggefechtsschießen endete. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Einzelabschnitts der zweiten Phase war es der anschließende Auftrag, das Panzergrenadierbataillon 212 im Angriff unmittelbar zu unterstützen. Hierzu musste zunächst die Gefechtsaufklärung mit Pionierkräften verstärkt werden, die sehr zügig auf diverse, feindliche Sperren auflief. Nachdem die Sperren nicht umgangen werden konnten, war es an den Hauptkräften, diese durch den Einsatz von Panzerpioniergruppen aber auch mit Hilfe des Dachs, zu räumen. Im folgenden Gefechtsabschnitt wurde durch die Gefechtsaufklärung ein Panzerabwehrgraben aufgeklärt, hinter dem sich in ca. 300m Entfernung eine Verlegeminensperre anschloss. Der vorne eingesetzte Panzerzug konnte die Sperre „nur“ überwachen, was den Einsatz von zwei abgessenen Panzerpionierzügen als Sicherungselement jenseitig der Sperre erforderlich machte. Nach dem feindliche Kräfte in Gruppenstärke geworfen waren, konnten zwei Pionierpanzer in nur neun Minuten das Panzerhindernis überwinden und der Keiler mit dem Öffnen der Sperre beginnen. Nach weiteren 30 Minuten war eine ca. 300m tiefe Gasse in der Sperre geschaffen und der Angriff rollte weiter. Im nächsten Szenar traft die Kompanie auf einen Sperrparcours, der den gepanzerten Pioniermaschinen, aber auch der Besatzung alles abverlangte. Der Sperrparcours bestand aus sechs Einzelstationen und hatte das Ziel, alle Fähigkeiten des gepanzerten Pioniermaschinenzuges abzufordern. Nachdem die Sicherungskräfte das Gebiet umgangen und die Kampfmittelräumer „grünes“ Licht gegeben hatten, konnte mit dem Überwinden der verschiedensten Hindernisse begonnen werden. Hierbei war der erste Auftrag, mit Hilfe der Pionierpanzer einen Dammdurchbruch zu schaffen. Der Damm war jedoch durch eine S - Drahtsperre sowie mit verstecken Ladungen verstärkt, was den erneuten Einsatz vom Kampfmittelräumkräften erforderlich machte. An der nächsten Station kam der Pioniergerätetrupp an mehreren Stellen gleichzeitig zum Einsatz. Zum einen galt es eine Brücke, die mit diversen Draht- und Holzsperren blockiert war wieder gangbar zu machen, zum anderen musste ein Pfahljoch geräumt werden, welches das Ablegen einer Panzerschnellbrücke verhinderte. Parallel hierzu war es der Auftrag der Pionierpanzer eine Auflagefläche für die Panzerschnellbrücke zu schaffen, so dass diese im 2-fach überlappenden Verlegen einen ca. 40 m breiten Einschnitt überwinden konnten. Um die Belastung weiterhin zu steigern, wurde in dieser Einzelphase ein Kettenschaden an einem Dachs simuliert, was das erneute Aufziehen der Kette erforderlich machte. Nachdem die Pionierpanzer wieder einsatzbereit waren, überquerten die Dachse die zwischenzeitlich abgelegten Panzerschnellbrücken und machten sich daran, das nächste Hindernis, einen Panzerabwehrgraben, zu verfüllen. Dieser Aufgabe folgte ein erneuter Dammdurchbruch, der jedoch diesmal zusätzlich mit Holz und Stahlbetonteilen verstärkt war, wodurch die Besatzung gezwungen wurde, alle Fähigkeiten des Gerätes einzusetzen, um das Hindernis überwinden zu können. Die letzte Aufgabe im Rahmen des Sperrparcours bestand darin, eine Holzbrücke mit Hilfe einer Ergänzungsbrücke zu verstärken und somit für gepanzerte Kräfte gangbar zu machen. Nach insgesamt sieben Stunden forderndem Einsatz war der Sperrparcours überwunden und der Angriff konnte weiter bis ins Angriffsziel vorgetragen werden.
Die einzelnen Teileinheiten 5. Kompanie wurden, ebenso wie die Züge der 4. Kompanie, im Rahmen von Zuggefechtsschießen auf einzelnen Gefechtsschießbahnen beübt. Hierbei war die Zielsetzung unverändert, die Züge in der Ausübung ihrer eigentlichen Tätigkeit – z.B beim Straßen und Wegebau – in eine überraschende Gefechtslage zu versetzten. Diesem Vorhaben wurde dadurch Rechnung getragen, dass den Teileinheiten auf den einzelnen Schießbahnen Bauaufträge zugeteilt wurden, während deren Ausübung sie plötzlich auf Feindkräfte stießen. Anschließend war es der Auftrag der 5. Kompanie durch den Ausbau und das Offenhalten von Marschstraßen sowie durch diverse Baumaßnahmen den Angriff der Brigade weiter zu unterstützen. Für die Kompanie gehörte das häufige Wechseln des Verfügungseinsatzraums zur Tagesordnung, was sich jedoch mit zivilen Baumaschinen häufig als kleine Herausforderung darstellte, aber gemeistert wurde. Höhepunkte bildete das Sprengen der aufgeklärten Kampfmittel durch die Kampfmittelräumkräfte der Kompanie. Nach nehmen des Angriffsziels durch die Kräfte der Panzerbrigade 21 begann Phase 3 der Übung – die Stabilisierung.
Phase 3 – Stabilisierung
In der Phase Stabilisierung war es der Auftrag der 4. Kompanie ein Feldlager zu erkunden, auszubauen und zu sichern, mehrere Temporary Checkpoints durchzuführen sowie durch eine starke Patrouillentätigkeit Präsenz im Raum zu zeigen. Insbesondere während der Feldlagersicherung und dem Einsatz gegen einen wütenden „Mob“ wurden die Soldaten an ihre körperlichen Grenzen geführt, zumal es bereits der fünfte Übungstag unter hoher Belastung war.
Die 5. Kompanie erhielt in der letzten Übungsphase den Auftrag, mehrere Bereiche durch den Einsatz von Pioniermaschinen, für die Errichtung von Flüchtlingslagern vorzubereiten und zudem behelfsmäßige Landeplätze für Hubschrauber zu schaffen. Dieser Auftrag machte es abermals erforderlich, dass die einzelnen Teileinheiten und Gruppen der Kompanie sich an den unterschiedlichsten Stellen des Übungsplatzes befanden, wodurch deren Führung wesentlich erschwert wurde.
Nachdem beide Kompanien im Rahmen der Stabilisierung einigermaßen zur „Ruhe“ kamen, wurde umgehend eine Warnung vor chemischen Kampfstoffen durchgegeben, um die Belastungskurve letztmalig ansteigen zu lassen. Sofort wurden von den Soldaten alle Maßnahmen getroffen und ihre Overgarments angelegt. Diese sollten sie, über eine weitere Marschphase hinweg, bis zum Übungsende tragen. Den letzten Höhepunkt der Übung bildet die Vorführung der ABC Abwehrkompanie aus Höxter, die einen Vorgeschobenen Entseuchungspunktes (VEP) betrieb, den Teile des Bataillons durchlaufen mussten. „Die Übung Schwarze Mamba 2009“ war für uns ein voller Erfolg“, so die schließende Bewertung von Oberstleutnant Lühring, Kommandeur des Panzerpionierbataillon 1. Besonders zufrieden sei er über die hohe Motivation und die guten handwerklichen Fähigkeiten, die seine Soldaten auch unter hoher Belastung, gezeigt haben. „Es zeigt, dass das Bataillon einsatzbereit ist.“
Regimentsübung Smart Engineer
Der Bataillonsübung „Schwarze Mamba“ folgte im Abstand von zwei Tagen die Übung „Smart Engineer“ die unter der Leitung des Pionierregiments 100 durchgeführt wurde. Im Rahmen der Regimentsübung sollten erstmalig das gemeinsame Pionierbataillon 131, bestehend aus zwei Kompanien des Panzerpionierbataillon 1 und aus zwei Kompanie des schweren Pionierbataillon 130 sowie einer gemischten Stabs- und Versorgungskompanie aus beiden Verbänden, beübt werden. Höhepunkte der mehrtägigen Übung bildete der Bataillonsmarsch über ca. 320 Km beginnend auf dem Truppenübungsplatz Klietz über den Truppenübungsplatz Bergen bis zum Wasserübungsplatz Minden, unter der Durchführung von Kriegsbrückenschlägen über die Elbe, Aller und Weser.
Eicker
Hauptmann