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Wie Sie wissen, existiert seit den 70er Jahren eine Segelkameradschaft in Percha am schönen Starnberger See auf dem Gelände des Tauscherausbildungszentrums. Viele Pioniere haben hier mit ihren Familien bereits das Segeln erlernt und treffen sich bei jedem Wetter, um ihren schönen Sport auszuüben. Näheres unter: www.segelkameradschaft.de
Hier veröffentlichen wir einen Bericht eines der Mitglieder des BDPi, der im Mai 2009 an einem der Kurse der Segelkameradschaft teilgenommen hat:
Segelkurs 2009

Dieser Jahr fand, wie schon in den Jahren zuvor, unter der Leitung von Oberstleutnant i.G. a.D Klaus op de Hipt ein Segelkurs für den Sportbootführerschein Binnen (Motor + Segeln) innerhalb der Segelkameradschaft der Pionierschule statt.
Alles begann im Januar mit der Vermittlung der Theorie des Segelns in dem ehemaligen Taktikhörsaal der Pionierschule in München. Dort stellten sich die Ausbilder der Segelkameradschaft an 5 Abenden der Herausforderung, absoluten Landmenschen den Wortschatz und das Denken eines Seemanns zu vermitteln.
Auf einmal war hinten nicht mehr hinten, sondern achtern. Und ein Seil hieß nicht mehr Seil, sondern Schot, Leine oder Fall, je nach Verwendungszweck.
In aller Ruhe wurde der Teilnehmergruppe, bestehend aus Offizieren und Offiziersanwärtern insbesondere der Pioniertruppe an einem Modell eines Segelschiffes die richtige Segelstellung zu jeder Art von Wind erklärt. Es gibt verschiedene Arten von Wind (vom leisen Zug bis hin zum Orkan) aus verschiedenen Richtungen und den dazugehörigen Kursen zum Wind für das Schiff. Dieses hatte man dann aber innerhalb der praktischen Ausbildung recht schnell heraus.
Neben Lichtzeichen, was dem einem oder anderen Teilnehmern ein Schmunzeln abrang, (denn die Wahrscheinlichkeit, auf dem Starnberger See einem geschleppten Schubverband, welcher explosive Stoffe geladen hat, zu begegnen, geht doch so ziemlich gegen 0), wurden wir ebenfalls in Wetterkunde, Knoten und Bunde, Schiffsarten, Takelage, Motorkunde und natürliche den mit wichtigsten Punkten Segelmanöver und Schifffahrtsrecht (vor allem Verkehrsregeln) ausgebildet.
Dieses stellt eine sehr wichtige Basis dar, da bei dem theoretischen Teil der Prüfung dieses Wissen, im Rahmen eines Fragenkataloges, bestehend aus 593 Fragen beantwortet werden musste. Auf jeden Fall weiß man jetzt auch, dass ein Fluss von der Quelle bis zur Mündung verläuft und das ein „Takling“ den „Tampen“ vor dem aufgehen sichert.
Ende April begann dann endlich die lang ersehnte praktische Ausbildung an dem Taucherausbildungszentrum der Pionierschule in Percha. Hervorzuheben ist hierbei auch wieder die sehr gute und geduldige Ausbildung der Ausbilder, welche aus Segelkameradschaft stammten und Ihre Freizeit opferten, um uns in der Praxis des vorher theoretisch gehörten auszubilden. So bekamen 2 Schüler einen Ausbilder und ein Boot zugeteilt.
Mein Ausbilder während der praktischen Ausbildungszeit Oberst a.D. Jürgen Witzig erwies sich als sehr ruhiger und geduldiger Segellehrer mit viel Erfahrung. Während der ersten Stunden, wo mein Segelpartner Leutnant Werner Schumann noch mit mir zusammen bei jeglicher Krängung (seemännisch dafür, wenn das Boot sich schräg stellt) mit einem Hechtsprung versuchten, einem für uns gefühlten Kentern des Schiffes entgegenzuwirken, bekamen wir nur ein trockenes: „Ihr sollt nicht rumzappeln, sondern anluven“ zu hören.
Nach dem die ersten Eindrücke verarbeitet waren und wir uns an unser Boot gewöhnt hatten, ging das Manövertraining los. Wende, Halse, Q-Wende, Mann über Bord, Manöverkreis und das Anlegen. Ich glaube, wir haben uns dabei gar nicht so schlecht angestellt, denn ab dem 3.Tag wurden wir durch unseren Ausbilder, wie sich rausstellte, ein alter Regattenveteran, in die Feinheiten des Schiffwettfahrens eingewiesen.
Da gab es nicht mehr nur, wie in den ersten Tagen ein kräftiges Hurra, wenn sich das Boot selbstständig vorwärts bewegte. Nein da hieß es: “Du nutzt den Wind nicht voll aus, das spür ich Nacken, hol die Fock dichter, noch ein Stück, nein nicht soweit.“
Aber es tat auch gut, zwischendurch mit einem: „Mit dieser Wende hättest Du jetzt die Regatta verloren“, auf seine langen fünftägigen Seglererfahrung wieder hingewiesen zu werden. Man sah sich selber schon als Skipper auf einer Weltumrundungsregatta.
Außerdem implizierte die Ausbildung eine Ausbildung und Prüfung auf einem Motorboot. Auch hier standen die Manöver im Vordergrund. Tipp: Wer nicht möchte, dass er von seinem Ausbilder von Bord geworfen wird, sollte nie, ich wiederhole, nie bei einem Motorboot direkt von dem Vorwärts- in den Rückwärtsgang schalten.
Nach einer Woche, die nicht nur eine anstrengende Ausbildung, sondern auch mit einer ausgezeichneten Kameradschaft für gute Stimmung sorgte, sei es nach der Ausbildung beim Bier oder eine Bootstour bei rauem Wellengang mit Ausbildern zum Schlosshotel Berg zum Abendessen, war der erste große Anteil der praktischen Ausbildung vorüber .
Freunde und Bekannte wollten gar nicht glauben, dass man eine harte und fordernde Woche hinter sich hatte. Mit wenigen Ausnahmen hatten wir so ein Glück und schönes Wetter, dass man hätte glauben können, das man seinen Segelschein nicht im April auf dem Starnberger See, sondern an der Cote d´Azur gemacht hat.
Naja bei fast allen, bei dem einen oder anderen hat es nur zu einem großem Sonnenbrand gereicht.
Nun war also der große Tag der Prüfung. Hierzu bleibt nur zu sagen, dass sich das intensive Training bemerkbar gemacht hat, so dass ein durch und durch sehr erfolgreiches Ergebnis zustande kam und sich jeder über seinen neuerworbenen Sportbootführerschein Binnen freuen konnte.
Einen runden Abschluss gab es durch ein gemeinsameres Grillen zum Abschluss des ganzen Kurses, wo man seine Eindrücke und Leistungen nochmals mit den anderen Teilnehmern und Ausbildern Revue passieren lassen konnte. Ganz zum Schluss ließen es sich ein paar Wenige ganz hartgesottene nicht mehr nehmen, ein Bad in dem 5°C warmen Starnberger See zu nehmen.
Am Ende bleibt nur noch zusammenzufassen, dass es einen Riesenspaß gemacht hat und allen Beteiligten für diesen sehr schönen Kurs zu danken. Ich kann nur sagen, jeder der die Möglichkeit hat, an dem nächsten Segelkurs teilzunehmen, sollte dies wahrnehmen, es lohnt sich!
Christian Bayerschen |